In der Realschule war Heinz einer der Besten. Daß er immer wieder von krampfartigen Anfällen geplagt war, wußten nur wenige. Denn Heinz gehörte nicht zu dem Zehntel aller "Anfallskranken", die ständig in Anstalten betreut werden müssen.

Bei der Berufwahl aber mußte Heinz sein Leiden berücksichtigen. Sein Wunsch, zunächst Bau- und Möbeltischler, später vielleicht Innenarchitekt oder Bauingenieur zu werden, war nicht zu erfüllen. Da in diesen Berufen die Arbeit mit Maschinen notwendig ist, bedeutete die Behinderung eine nicht zu verantwortende Unfallgefahr.

Doch Heinz machte seinen Weg: In einer Spezialanstalt, die alle Maschinen mit Schutzvorrichtungen versehen hatte, machte die Ausbildung keine Schwierigkeiten. Die Abschlußprüfung bestand der behinderte Kandidat als einer der Besten. Heute ist er nach Praktikum und Ingenieurschule als Hochbau-Ingenieur tätig – zur vollen Zufriedenheit seiner Vorgesetzten.

Dieses Beispiel ist typisch für viele körperlich oder geistig Behinderte. Denn oft sind sich diese jungen Menschen ihrer Grenzen bewußt und setzen ihren ganzen Ehrgeiz daran, das Beste aus ihren Möglichkeiten zu machen. Nur zehn Prozent aller Behinderten, so wurde in den USA festgestellt, liegen mit ihren Leistungen unter dem Durchschnitt der gesunden Kollegen.

Vorbildlich ist der zielbewußte Weg des jungen Mannes auch deshalb, weil frühzeitig alle Informations- und Beratungsmöglichkeiten genutzt wurden. Eltern und Arbeitgeber verfielen nicht in Reaktionen, die sich oft schlimmer auswirken als die Krankheit selbst: Mitleid und Resignation.

Die frühzeitige Orientierung über Berufsmöglichkeiten für behinderte junge Menschen ist entscheidend. Die Arbeitsämter sind darauf eingestellt, die schulische Versorgung und die berufliche Eingliederung so gut zu lösen, wie es nur irgend möglich ist. Ärzte, Psychologen und Berufsberater stehen den oft überforderten Eltern hilfsbereit zur Seite. Wenn diese Möglichkeiten nicht ausgeschöpft werden, sind meist die Jugendlichen die Leidtragenden.

An einer Fehlleistung im Beruf kann die mangelnde Einsicht der Eltern schuld sein. Sie vergessen zu berücksichtigen, daß die körperlichen Mißbildungen oder Mängel auch zu psychischen Schwächen und Verzögerungen in der Entwicklung führen können. Das Beispiel des Friedrich H. ist sicher kein Einzelfall.