Die norwegische Koalitionsregierung unter Ministerpräsident Per. Borten ist zurückgetreten. Anlaß der Regierungskrise war eine Indiskretion des Ministerpräsidenten, der am Wochenende zugeben mußte, zwei entschiedenen Gegnern eines norwegischen EWG-Beitritts Einsicht in ein vertrauliches Dokument gestattet zu haben. Dieser Bericht des norwegischen EWG-Botschafters Jan Halverson enthielt die – inzwischen dementierte – Behauptung eines Mitglieds der EWG-Kommission, Norwegen könne der Gemeinschaft nicht beitreten, solange es auf langfristigen Übergangsregeln für seine Landwirtschaft und Fischerei bestehe.

Die bürgerliche Koalition aus Bortens Zentrumspartei, Christlicher Volkspartei, Liberaler und Konservativer Partei war am Montag auseinandergebrochen, weil sich das Zentrum weigerte, Borten zu opfern und die Koalition unter einem neuen Regierungschef fortzusetzen. Die Bürgerlichen verfügen über 76 Sitze; die oppositionelle Sozialistische Arbeiterpartei hat 74 Mandate. Ihr Vorsitzender, Trygve Bratteli, äußerte Bedenken, kurzfristig eine Minderheitsregierung zu bilden. Die Alternative wäre ein bürgerliches Minderheitskabinett ohne Bortens Zentrum.

Eine vorzeitige Auflösung des Parlaments ist in der norwegischen Verfassung nicht vorgesehen; Neuwahlen finden erst im Herbst 1973 statt.