Saigons Elitebataillone verbluten auf der Höhe 31 in Laos. Aber ihre Führer Thieu und Ky werden von Tag zu Tag großmäuliger. Sie möchten ihre Heimat im Norden "befreien", lieber heute als morgen über den 17. Breitengrad nach Nordvietnam einmarschieren. Sie treiben ein riskantes Spiel.

Aber Präsident Nixon weiß, und sein Sicherheitsbeauftragter Kissinger hat es öffentlich ausgesprochen! Das Überschreiten der Grenze würde höchstwahrscheinlich – wie 1950 in Korea – die chinesischen Massenheere in Bewegung setzen. Noch nie hat Peking so ernst gedroht wie nach der Invasion in Laos.

Aber das Fiasko der Südvietnamesen im Dschungel vor Tschepone ist vorerst die beste Sicherung gegen eine neue Eskalation. Die aufgebrachte Stimmung im US-Kongreß, die mörderischen Verluste der US-Hubschrauberflotte, die demütigende Niederlage der Südvietnamesen – all das kann nicht zum Marsch auf Nordvietnam reizen. Und darum scheint es logischer, daß die langfristige Strategie Washingtons der Rückzug bleibt. In den Worten des Verteidigungsministers Laird: "U.S. involvement in the war is going down, down, down." kj.