Hervorragend:

„Stille Tage in Clichy“, von Jens Jørgen Thorsen. Die gelungene Literatur-Adaption zeigt Henry Miller 1933 in Paris, sein verrücktes Leben zwischen Mädchen, Hunger und Poesie; sie zeigt viel Sexualität, ausführlich und unverfälscht, nicht als steriles dämliches Verzückungs-Getue nach Kolles Art, sondern voll Charme, natürlicher Freude und einer fast kreatürlichen Schönheit. Die Schauspieler, besonders Paul Valjean als Miller, spielen sympathisch und überzeugend, die melancholische Musik von Ben Webster und Country Joe oder die Musette-Walzer schaffen eine dichte, poetische Atmosphäre, Kamera und Schnitt (impressionistische Traumsequenzen, eine Ferienreise als Photoalbum-Erinnerung, verschnörkelte pornographische Inserts quer im Bild) sind ein Mittel ironischer, humorvoller Distanz. Ärgerlich nur, daß einige deftige Stellen der Willkür der deutschen Zensur zum Opfer fielen. Wolf Donner

„Auch Zwerge haben klein angefangen“, von Werner Herzog. „Trash“, von Paul Morrissey. „Cardillac“, von Edgar Reitz. „The War Game“, von Peter Watkins.

Im Fernsehen: „Dr. Mabuse der Spieler“ (1922), von Fritz Lang (1. Teil „Der große Spieler“, West III am 6. März; 2. Teil „Inferno“, West III am 13. März), gehört zu jenen Filmen, deren Historizität jeder Beschreibung spottet. Der Typ, in Anlehnung an kurrente Zeiterscheinungen erfunden, hat Geschichte gemacht, nicht nur im Kino. Grenzenlos herrschsüchtig, eine tyrannische Führerfigur, ein Übermensch des Verbrechens gegen die Gesellschaft, ist Mabuse eine der sensibelsten politischen Prognosen, zu denen das Kino fähig ist. Stilistische Unausgeglichenheit zwischen Expressionismus und Sachlichkeit erzeugt gleichwohl (so Kracauer) „die Gesamtwirkung einer gefühlserhitzten Scheinwelt“.

Peter W. Jansen

„Eine Nacht in der Oper“ (1935), von Sam Wood (West III am 7. März), ist der erste Film, der die Marx Brothers einer durchgängigen Story unterwirft, aber ihrem anarchisch wuchernden Witz nicht das Rückgrat brechen kann: ihnen macht die Destruktion des angeblich Sinnvollen noch heillosen Spaß. PWJ

„Die gebrochene Lanze“ (1954), von Edward Dmytrik (ARD am 6. März). „Die Geschichte der Nana S“ (1961), von Jean Luc Godard (Südwest III am 6. März). „Unheimliche Geschichten“ (1919), von Richard Oswald (Bayern III am 5. März).