Ein paar Ereignisse dieser Tage zeigen, daß die Parteien nicht nur alle Hände voll damit zu tun haben, miteinander zu kämpfen und zu ringen. Ihre Kräfte werden auch noch davon in Anspruch genommen, sich mit den Freunden in den eigenen Reihen herumzuschlagen und sich womöglich von ihnen zu distanzieren. Über den Stand dieser Auseinandersetzung soll ein Rundblick informieren.

Dabei ergibt es sich, daß selbst jene Parteien, denen man nicht gerade Sympathien für unsere verfassungsmäßige Ordnung nachsagt, ihren Kummer mit noch radikaleren Gruppen haben. Ein Sprecher der DKP klagte:

„Wir zittern bei jeder Bombe vor Angst, daß man uns die wieder in die Schuhe schiebt. Kommunismus und Anarchismus werden ja von manchen so gerne in einen Topf geworfen. Aber solche Probleme kennen ja nicht nur wir!“

„Wir müssen uns dauernd dagegen wehren, mit der Aktion Widerstand identifiziert zu werden“, seufzte mein NPD-Gewährsmann. „Aber tröstlicherweise geht’s den Kollegen von der CSU nicht viel besser.“

„Von der NPD wollen wir mal ganz absehen“, sagte man mir dazu im CSU-Hauptquartier. „Aber da gibt es ja noch die Freundeskreise, die wir uns auf Armlänge halten mußten. Erfreulicherweise ist es um die etwas still geworden. Dann gibt es noch in München einige jüngere Herrschaften, die gern gegen Strauß rebellieren, wenn er gerade in Bonn ist. Immerhin: Im Vergleich zu dem Kummer, den unsere Schwester, die CDU, mit der Jungen Union hat, sind wir noch ganz gut bedient ...“

„Ach, wenn’s nur der Herr Echternach mit seiner Jungen Union wäre“, seufzte man im CDU-Hauptquartier. „Doch da feiert man gerade in bester Stimmung Vogels Rücktritt und seine Auseinandersetzung mit der Münchner SPD – da kommt Heck kreidebleich mit der Nachricht ins Zimmer, in Frankfurt hätten Adelige und Bankangestellte in rüdester Weise die CDU unterwandert und alte, verdiente Parteifreunde ausgebootet. Ein schöner Schlag für unser Image. Jetzt geht die Saat der Jusos auf – aber leider bei uns. Ist einem denn überhaupt keine reine Schadenfreude mehr vergönnt?“

Bei der SPD sieht man es so: „Für die Distanzierung von den Jusos ist unsere Links-Abwehr zuständig, die sich außerdem noch der DKP-Bündnisfreunde anzunehmen hat. Dazu haben wir jetzt noch eine Rechts-Abteilung, die die ‚Schweigende Mehrheit‘ in unserer Partei in Schach halten muß. Manchmal kann einem das alles direkt zuviel werden, und man möchte den ganzen Krempel hinwerfen und die FDP unterwandern. Die ist fein raus – die hat das alles hinter sich.“

„Gewiß, Flügelkämpfe haben wir keine mehr, seit es die NLA gibt und Mende bei der CDU ist“, gab man bei der FDP zu. „Aber glauben Sie vielleicht, mit ihren Spaltungsproblemen in Schleswig-Holstein, just vor den Wahlen, machen uns die Jungdemokraten keine grauen Haare?“