Nach hoffnungsvollen Anläufen sind die Bemühungen um eine friedliche Lösung des Nahost-Konflikts erneut ins Stocken geraten. Am Freitag letzter Woche übermittelte Jerusalem dem UN-Vermittler Jarring die Antwort auf die jüngsten ägyptischen Vorschläge. Es bezog sich dabei auf Kairos Ausführungen zu Jarrings „Fragebogen“, auf den Jerusalem nicht eingegangen ist.

Die israelische Antwort umreißt noch einmal die bekannten Standpunkte: Kein Rückzug ohne Friedensvertrag und ohne Grenzkorrekturen zur Schaffung sicherer Grenzen. Allerdings ist die Ministerpräsidentin Meir bereit, ohne Vorbedingungen direkte oder indirekte Verhandlungen über Territorialfragen aufzunehmen. Einen von den Großmächten diktierten Frieden weist Jerusalem zurück. (Siehe auch Dokumente der ZEIT.)

Dabei kann Israel auf die amerikanische Unterstützung rechnen. Auf der anderen Seite hat Präsident Nixon in seiner außenpolitischen Erklärung unterstrichen, daß Washington nur mit Grenzkorrekturen in kleinem Umfange einverstanden ist und den Begriff „sichere Grenzen“ anders auslegt. In Jerusalem wird die amerikanische Unzufriedenheit über die Haltung der Regierung Meir einkalkuliert. Kairo hat sogar von Washington – allerdings vergeblich – verlangt, Druck auf Israel auszuüben.

Kairo behauptet, daß Israel „alle Türen für alle Versuche zu einer friedlichen Lösung“ zuschlägt. Die Befreiung der besetzten Gebiete könne niemals Gegenstand von Verhandlungen sein; ebenso ausgeschlossen sei eine separate ägyptischisraelische Vereinbarung.

Ähnlich harte Worte fand zum Wochenbeginn der ägyptische Präsident Sadat auf einer Tagung des Palästinensischen Nationalrats in Kairo. Obwohl er nochmals die militärische Stärke der Araber hervorhob, warb er für eine politische Lösung. Sie liegt auch im Sinne Moskaus, das zur gleichen Zeit eine diplomatische Offensive startete, um Israel an den Verhandlungstisch zu bringen.

Allgemein wird erwartet, daß der Waffenstillstand über den 7. März hinaus verlängert wird. Kriegerisch gaben sich zwar die Palästinenser, aber sie sind untereinander zerstritten, finanziell in Schwierigkeiten und als Machtfaktor ausgeschaltet. So konnte es der jordanische König Hussein in der letzten Woche erstmals wagen, öffentlich zu erklären, daß er Frieden mit Israel schließen wolle. Geheime Kontakte mit Jerusalem sollen schon bestehen.