Seit zwei Wochen liegen die nach Laos eingedrungenen Südvietnamesen etwa 25 Kilometer westlich der Grenze fest. Nach Gegenangriffen von nordvietnamesischen Truppen, deren Stärke auf 30 000 Mann geschätzt wird, mußten; sie innerhalb einer Woche vier wichtige Stützpunkte räumen. Weitere Stellungen werden berannt und können wegen der starken Flakabwehr der Nordvietnamesen nur mangelhaft aus der Luft versorgt werden.

Saigon hat zu Wochenbeginn seine Truppen in Laos um 10 000 auf 26 000 Mann verstärkt. Das Selbstvertrauen der Verbände – meist Eliteeinheiten – ist schwer angeschlagen. Südvietnam spricht seit zehn Tagen nur noch von „Abwehrerfolgen“. Aus Washington wurde der Einsatz weiterer amerikanischer Luftwaffen- und Artillerie-Verbände befohlen.

In den Vereinigten Staaten mehren sich die Kritiker des Unternehmens, die die „optimistische Stimmung des Weißen Hauses“ – so Senator Fulbright – nicht teilen. Der demokratische Senator Muskie forderte einen völligen Abzug der amerikanischen Truppen bis Ende des Jahres. Andere Senatoren möchten jetzt die Kriegsvollmachten des Präsidenten entscheidend einschränken.

Mit Sorge haben die „Tauben“ im Senat die Bemerkung des südvietnamesischen Präsidenten Thieu aufgenommen, eine Invasion in Nordvietnam sei nur eine Frage der Zeit. Trotz beruhigender Dementis aus dem Weißen Haus fürchten sie Verwicklungen, wenn, wie die Regierung am Wochenende ankündigte, amerikanische Kampftruppen zur Bergung abgeschossener Piloten in Laos eingesetzt werden.

Eine Invasion Nordvietnams würde nach Meinung der Nixon-Gegner eine chinesische Intervention heraufbeschwören. Daß das Laos-Unternehmen die Kriegshandlungen verlängern kann, beweist ihnen die nachdrückliche Moskauer Zusage an alle Völker Indochinas, sie mit Waffen und Geld zu unterstützen.