Trimm dich durch Trouble – so fit, als sei dies die von ihm formulierte und praktizierte Losung der SPD, läßt Helmut Schmidt, der bevorzugte „Pappkamerad“ der Jusos, das Trommelfeuer über sich ergehen. Da Willy Brandt außerhalb der Schußlinie geblieben ist und Herbert Wehner volle Deckung gesucht hat, ist der Einzelkämpfer auf der Hardthöhe in dieser Stunde der Herausforderung mehr als nur ein nomineller Stellvertreter seines Parteivorsitzenden.

„Der Bundeskanzler, Ihr Parteichef, meinte, die SPD brauche sich keine Krise aufschwatzen zu lassen. Wenn das zutrifft: Was ist es dann, was in diesen Tagen über die Partei hereingebrochen ist?“

Um nicht einen Atemzug lang mit der Antwort zögern zu müssen, unterläßt es Helmut Schmidt, die Filterzigarette mit Mentholgeschmack in Brand zu setzen. Statt dessen fährt er dem Fragesteller in die Parade:

„Hier ist nichts hereingebrochen! Hier hat sich im Laufe der Jahre etwas entwickelt, was durch einen lokal ausgelösten dramatischen Effekt in München, grell angestrahlt durch die Meinungs- und Nachrichtenmedien, ins Bewußtsein der öffentlichen getreten ist.“

„Eine Krise ist es aber wohl doch?“

„Nur in dem Sinne, daß sich innerhalb der SPD zwischen Teilen der Jungsozialisten, noch genauer gesagt, zwischen einigen öffentlichen auftretenden Wortführern einerseits und erheblichen Teilen gewählter Funktionäre ein Spannungsverhältnis herausgebildet und mancherorts dramatisch zugespitzt hat.“

Für diesen Entwicklungsprozeß hat der stellvertretende SPD-Vorsitzende und frühere Fraktionsvorsitzende eine geschichtliche Erklärung zur Hand, die bei der nun schon fast historischen Aktivität der APO beginnt: Weil die radikalen Studenten erkannt hätten, daß sie mit reinem „Protestaktionismus“ die Welt nicht verändern konnten, hätten sie sich der einzigen Partei, die sich ihnen vor der extremen Linken anbot, angeschlossen – der SPD. In dieser Partei seien sie auf andere Meinungen und Vorstellungen gestoßen. Dem theoretischen Wissen und dem intellektuellen Elan der meisten dieser Jung-Genossen seien die Alt-Genossen nicht immer und überall gewachsen gewesen. So hätten die Jungen den Alten manche Position abgerungen.