Über Bildung wird gestritten. Die Öffentlichkeit, die bisher gewohnt war, einen Begriff wie zum Beispiel „Gesamtschule“ den Experten als akademisches Disputationsfeld zu überlassen, ist ratlos: In der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung, die bis Ende Mai den nationalen Bildungsplan „vom Kindergarten bis zur Weiterbildung“ vorlegen soll, ist es zu einer scharfen Auseinandersetzung gekommen. Sie entzündete sich an der Frage, ob die „integrierte Gesamtschule“ die Schule der Zukunft werden soll. Der Bund und die von der SPD regierten Länder entschieden sich dafür, die CDU-Länder stimmten dagegen und unterlagen mit fünf gegen siebzehn Stimmen.

Entschieden ist damit noch gar nichts. Die Kommission faßte noch keinen Beschluß, sie stimmte lediglich ab. Das Resultat war auch nicht überraschend. Seit die sozial-liberale Koalition die Bildung zum politischen Thema erklärte, gibt es Parteienfronten in der Bildungspolitik. Das machte sich zuallererst in der Kultusministerkonferenz bemerkbar, die zwanzig Jahre lang gewohnt war, ihre Beschlüsse nach dem Prinzip der Einstimmigkeit zu fassen. Neuerdings kennt sie eine SPD- und eine CDU-Fraktion.

Ähnlich wird das Bild nächste Woche bei der Debatte über das Hochschulrahmengesetz im Bundestag sein, wenn über die „integrierte Gesamthochschule“ debattiert werden muß (siehe Seite 16). Auch da sind die Fronten schon jetzt klar: Die CDU opponiert gegen das Gesamthochschulkonzept der Regierung. Ein Unglück ist das nicht. Der Streit ist nur ein Indiz dafür, daß Bildung, nicht mehr länger Expertensache ist, sondern endlich auch politisches Gewicht bekommen hat.

N. G.