Wenn der Schneidermeister A für 200 Mark Tuch einkauft, daraus einen Anzug fertigt und ihn für 400 Mark verkauft, so ist in diesem Produktionsvorgang zu einem ursprünglichen Wert ein zusätzlicher hinzugekommen, ein Mehrwert (200 Mark). Und von diesem Mehrwert will der Finanzminister sein Teil abhaben, elf Prozent zur Zeit.

Wenn der Schriftsteller B sich an eine Schreibmaschine setzt, Blatt für Blatt beschreibt und dafür ein Honorar kassiert, so ist in diesem Produktionsvorgang zu der Phantasiekapazität des Herrn B, deren Wert sich faktisch nicht messen läßt, und dem Rohmaterial Papier, dessen Wert relativ gering ist, ein zusätzlicher Wert, ein Mehrwert entstanden – sagt jedenfalls der Finanzminister. Und von diesem Mehrwert will er sein Teil abhaben, 5,5 Prozent zur Zeit, also die Hälfte des Normalsatzes, denn der Mehrwert entspringt einer „kulturellen Leistung“.

Wenn der Dirigent C vor dem Publikum sein Symphonienprogramm absolviert, ist das eine kulturelle Leistung mit Mehrwert, und der Minister kriegt seine 5,5 Prozent.

B und C, untereinander gleichberechtigt, haben A gegenüber einen Vorteil: Sie zahlen nur die Hälfte; exakter: ihre Kunden zahlen nur die Hälfte.

Angenommen, die Herren A, B und C ließen ihre Ware weiter vermarkten: A verkauft an einen Händler D, der Verleger E druckt das Manuskript von Herrn B als Buch, C erlaubt der Firma F, Schallplatten zu pressen. Ändert sich die Ware?

Anzug bleibt Anzug, sagt der Finanzminister, und Anzug kostet elf Prozent. Roman bleibt Roman, sagt der Finanzminister, und Roman kostet – weil kulturelle Leistung – 5,5 Prozent. Aber Symphonie, sagt der Finanzminister, Symphonie wird schwarzer Kunststoff, und der kostet, weil keine kulturelle Leistung, elf Prozent.

Entweder muß der Finanzminister übersehen haben, daß die Kunden von Verleger E im Laden schwarzbedrucktes weißes Papier kaufen, oder: daß die Kunden von Plattenfirma F nicht bloß auf gerillte schwarze Kunststoffscheiben versessen sind.