Mario Szenessy: „Tibor Déry“. Der Autor versucht eine kurze Gesamtdarstellung des Lebensweges, der ideologischen Entwicklung und der Werke des ungarischen Romanciers zu geben. Bisher ist noch keine Monographie über Déry erschienen, weite Gebiete seines Schaffens sind noch unerforscht (zum Beispiel seine Mitarbeit am Berliner Sturm), und manches, insbesondere die Briefe, ist noch unveröffentlicht. Doch erlauben seine Romane und Erzählungen, die Hauptlinien seiner schriftstellerischen Entwicklung zu verfolgen. „Der unvollendete Satz“, dessen Analyse mehr als ein Drittel des Buches einnimmt und der genau dreißig Jahre nach der ersten Publikation Dérys (1917 und 1947) erschien, ist das erste bedeutende Werk auf seinem Lebensweg; in ihm offenbart sich der kämpferische Kommunist, der sich der Schwächen der Arbeiterbewegung allerdings durchaus bewußt ist. Nach der Machtergreifung der Kommunisten in Ungarn wendet sich Déry allmählich von ihnen ab, wird zu einer der führenden Persönlichkeiten des Aufstandes von 1956 – immer noch in der Hoffnung, den Kommunismus verbessern zu können. In seinen in den sechziger Jahren entstandenen Werken werden diese Illusionen abgebaut; Zweifel und Ironie treten an ihre Stelle. (Reihe Sprache und Literatur 65, Kohlhammer-Verlag, Stuttgart; 128 S., 15,60 DM.)