Wird Horst Mahler einen fairen Prozeß bekommen? Der Verteidiger des einstigen APO-Anwalts hat, als er am ersten Verhandlungstag das Berliner Schwurgericht in toto wegen Befangenheit ablehnte, die Frage an die ganze deutsche Justiz gestellt. Irgendein Gericht in Berlin oder in der Bundesrepublik muß freilich über den Vorwurf der Anklage befinden, Mahler habe Beihilfe zum versuchten Mord im Zusammenhang mit einer Gefangenenbefreiung geleistet. Wenn jedoch als möglich gilt, daß Gerichte durch die Vorab-Verurteilung des Angeklagten in der öffentlichen oder veröffentlichten Meinung zum Nachteil eben dieses Angeklagten beeinflußt werden können, dann ist der Fall Mahler nächst dem Fall Brühne das Musterbeispiel für Schuldsuggestion in der Nachkriegsgeschichte unserer Strafjustiz. Und er stellt in der Tat jedem Gericht die Frage nach seiner Befangenheit: So massiv hat die publizistische Halsgerichtsbarkeit noch keinen verdammt, ehe berufene Richter das Urteil über ihn sprachen.

Es gibt nur einen Unterschied: Die Tatindizien gegen Vera Brühne unterstützten die amtliche wie die private Anklage; die gegen Horst Mahler sind so dürftig, daß die Justiz mehr denn je in Gefahr schwebt, einem unberufenen Hilfsorgan der Staatsanwaltschaft zu erliegen: dem öffentlichen Vor-Urteil. H. Sch.