In den frühen Morgenstunden des vergangenen Mittwoch haben die DDR-Behörden wiederum alle Zugänge nach Westberlin gesperrt. Anlaß: die Tagung der CDU-Fraktionsvorsitzenden.

DDR-Ministerpräsident Stoph hat dem Regierenden Bürgermeister Schütz vorgeschlagen, Verhandlungen über den Besuch von Westberlinern „in der DDR, einschließlich ihrer Hauptstadt“ aufzunehmen. Das Schreiben Stophs wird als das bisher bedeutungsvollste Ostberliner Angebot bezeichnet, weil es zum erstenmal einen Zusammenhang mit den Vier-Mächte-Gesprächen anerkennt. „Eine Vereinbarung in dieser Frage“ – so heißt es – „kann verständlicherweise in dem Fall verwirklicht werden, wenn Vereinbarungen über andere Westberlin betreffende Fragen, die in entsprechenden Verhandlungen beraten werden, in Kraft gesetzt sind.“

Außerdem bot Stoph im Falle „politischen Wohlverhaltens“ Gespräche über Passierscheine zu Ostern an. Seit 1966 gibt es nur bei „dringenden Familienangelegenheiten“ eine Besuchserlaubnis.

In seinem Antwortschreiben hat Schütz deutlich gemacht, daß der Senat die Absicht der DDR begrüße, den Vier-Mächte-Gesprächen aber nicht vorgreifen könne und wolle. Dagegen ist der Senat bereit, über eine Passierscheinregelung zu sprechen. Ein erstes Gespräch über technische Einzelheiten fand zu Wochenbeginn statt.

Einen Tag nach dem Stoph-Brief trafen sich am Freitag in Bonn die Staatssekretäre Bahr und Kohl zum siebten innerdeutschen Gespräch. Bahr bestätigte nach dem siebenstündigen Treffen lediglich, man sei „weiter in das Unterholz“vorgedrungen. Einzelheiten gab er nicht bekannt. Die nächste Begegnung wurde für den 8. März in Ostberlin vereinbart.

In Bonn werden der innerdeutsche Dialog und die Vier-Mächte-Gespräche nach dem Stoph-Brief günstiger beurteilt.