Wir Männer und Frauen sind unglücklicherweise so stupide, daß wir nie den Mut zu einem wirklichen Fortschritt aufbringen können, es sei denn, wir werden dazu durch Leiden angetrieben, die beinahe jedes Maß übersteigen.

Friedrich Engels

Christos Kunst in Colorado

Der Verpackungskünstler Christo dringt in neue Naturen ein. Schauplatz für sein neuestes Projekt „Valley Curtain“ wird nicht wieder die australische Küste sein, sondern in den Rocky Mountains (Colorado) liegen. Hier, im Gebiet „Grand Hogback“, 320 Kilometer westlich von Denver, wollen Christo und seine Helfershelfer zwischen die 380 Meter breite Gebirgskluft „Rifle Gap“ einen glänzenden orangefarbenen Nylonvorhang spannen. Über sechzehn Kilometer Stoff sind bereits in Nähauftrag gegeben; das Aktionsgelände ist auf neun Monate gepachtet; das Strom- und Telephon-Hochleitungsnetz wird in den Talboden verlegt. Finanzier ist die „Valley Curtain Corporation“, eine auf Initiative des ehemaligen Direktors des Museum of Contemporary Art in Chicago ins Leben gerufene Gesellschaft, die von Museen, Kunstgalerien und Privatsammlern unterhalten wird. Mitte Juni soll der Vorhang aufgezogen werden. Unbehinderte Bühnendurchfahrt durch das Rifle-Tal über die Autobahn von Colorado wird garantiert: Der Vorhang hat ein Loch. Die Vorstellung dauert voraussichtlich bis Mitte September.

Deschner und der Paragraph 166

Vergangenen Freitag hatte sich vor dem Amtsgericht in Nürnberg der Schriftsteller Karlheinz Deschner wegen einer Rede zum Thema Kirchenaustritt zu verantworten, in der er die Kirche einen „Kadaver“ genannt und das Christentum nur noch als bedeutend „für die Schädel von Primitiven und Profiteuren“ erklärt hatte. Dies war der erste Prozeß seit der Neufassung des Paragraphen 166 im Strafgesetzbuch. In der Neufassung ist zwar der Begriff der „Gotteslästerung“ gestrichen worden; weiterhin wird aber derjenige mit drei Jahren Freiheitsentzug bedroht, der religiöse Bekenntnisse anderer oder Einrichtungen bestehender Kirchen „in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören“. Den Beweisantrag der Verteidigung, den wissenschaftlichen Charakter der Ausführungen Deschners durch Gutachten renommierter Historiker feststellen zu lassen, lehnte das Gericht ab. Deschner, an einer schnellen Beendigung des Verfahrens interessiert, erklärte sich bereit, die von der Anklage zitierten Sätze zurückzunehmen, soweit sie als diskriminierend hätten empfunden werden können. Der Staatsanwalt befürwortete daraufhin die Einstellung des Verfahrens.

Preis für Pekic