Durch die persönlichen Kontakte zu Künstlern, schreibt Werner Haftmann, könnten Museen oft zu Freundschaftspreisen einkaufen, und es läge weder im Interesse der Künstler noch der Händler, wenn diese Preise publik würden. Für die Nationalgalerie hatte Haftmann 1970 rund eine Million zur Verfügung (450 000 Mark von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, 350 000 Mark vom Zahlenlotto, 200 000 Mark vom Berliner Senat), und er hat das Geld fast ausschließlich für Kunst der sechziger Jahre ausgegeben.

Die Liste seiner Ankäufe reicht von den Bildhauern Avramidis, Berrocal, Ipousteguy, Marini („Der Schrei“ von 1963) und Schmettau bis zu Vasarely, Arakawa, dem Star der letzten Biennale in Venedig, und Wesselmann. Das älteste Bild stammt aus dem Jahre 1934, von Oscar Dominguez, einem frühen Surrealisten, der in deutschen Museen äußerst selten vertreten ist. Gewiß, Haftmann geht nicht das Risiko ein, Künstler von morgen zu kaufen. Aber ihm vorzuwerfen, er habe sich nicht um die Gegenwart gekümmert (so die FAZ), ist unbegründet.

Aber auch Werner Hofmann, der nun wirklich nicht den Ruf eines konservativen Museumsmannes hat, bekam Ähnliches zu hören. Sein erster großer Ankauf für die Hamburger Kunsthalle war ein Caspar David Friedrich, „Wanderer über dem Nebelmeer“. Die kunstfördernden Gremien reagierten unerwartet, aber symptomatisch. Da hatte wieder mal einer das Vorurteil nicht bestätigt, das man sich über ihn gemacht hat. Warum kauft er nichts Modernes, warum kauft er nicht van Gogh, soll man im Hamburger Rathaus gesagt haben. Hofmann hat 600 000 Mark für das Bild bezahlt, und er hat es vor allem deshalb gekauft, weil Hamburg ohnehin die größte Friedrich-Kollektion besitzt und deshalb jede Gelegenheit wahrnehmen soll, sie um wichtige Bilder zu erweitern.

Für Museen, die nicht auf das 20. Jahrhundert beschränkt sind, stellt sich bei Ankäufen dauernd die Frage nach dem Proporz zwischen älter und neuer Kunst, ferner Hofmann hat versucht, die Gewichte auszubalancieren. Unter seinen Neuerwerbungen findet man ebenso Hockney, John Cage, Dieter Krieg wie Magritte, Maurice Denis und Füßli.

Ähnlich wie in Hamburg stellen sich in Köln beim Wallraf-Richartz-Museum die Ankaufprobleme. Der Schwerpunkt lag 1970 allerdings im 20. Jahrhundert, das Museum erwarb, für 950 000 Mark, aus Hamburger Privatbesitz ein Hauptwerk von Max Ernst, „Das Rendezvous der Freunde“ von 1922/23, ein herausragendes Zeit- und Stildokument, auf dem die wichtigsten Akteure des europäischen Surrealismus dargestellt sind.

Den wertvollsten Zuwachs unter den westdeutschen Museen hat das Folkwang-Museum in Essen zu verzeichnen: die „Kathedrale von Rouen“, aus der berühmten Serie von Claude Monet, eine großartige Ergänzung zu den „Seerosen“. „Wir sind zwar keine Fanatiker einer chronologischen Dokumentation der Kunst“, schreibt Paul Vogt, „doch scheint es mir sinnvoll, die alte Konzeption des Museums in der Weise fortzuführen, daß wir weiterhin besonders prägnante Werke zur Dokumentation einzelner Epochen suchen – Motto: wenig, aber möglichst gut.“ Außer dem Monet konnte er für Essen erwerben: Delacroix, Sam Francis, Frank Stella, dazu die Deutschen Richter und Uecker. Das Geld für den Monet, er kostete 2 Millionen, würde gestiftet.

Auf dem Gebiet mittelalterlicher Kunst sind zwei bedeutende Erwerbungen zu erwähnen. Günter Busch kaufte für die Bremer Kunsthalle einen „Schmerzensmann“, den er als ein Werk des Meisters des Bartholomäus-Altars identifizieren konnte. Und die Stuttgarter Staatsgalerie meldete den Ankauf der beiden „Erbacher Tafeln“ eines neapolitanischen Meisters, um 1340 zu datieren, und deklarierte sie als den bedeutendsten Zugang an altitalienischer Kunst, den deutsche Museen nach 1945 getätigt haben.