Von Thomas Schröder

Gestatten: Junge Kunst in Deutschland. Das Münchner Haus der Kunst, für ein paar Wochen wieder zum Haus der deutschen Kunst avanciert, gibt sich die Ehre. Unter dem wohl ein wenig wunschdenkerischen Titel "aktiva ’71" präsentieren sich 127 Junge aus Westdeutschland, quer durch die Provinzen, quer durch die künstlerischen Ambitionen (bis zum 9. Mai). Einziges Kriterium – nicht für die Auswahl, sondern für die Teilnahme: eine Geburtsurkunde, die nach 1935 ausgestellt worden ist.

Ausgewählt und zusammengestellt wurden die Bilder, Plastiken und Objekte von Thomas Grochowiak – außer ihm scheint es in Deutschland niemanden mehr zu geben, den man um die vermeintliche Wühlarbeit in Galerien und Hochschulen bitten möchte. Aber so schwierig ist das Unternehmen, junge Künstler zu finden, offenbar nicht. Grochowiak hat zusammengetragen, was man, von wenigen Ausnahmen abgesehen, auf jeder beliebigen Zusammenschau "junger deutscher Kunst" sähe. Anders gesagt: An Originalität krankt diese Ausstellung nicht.

Dafür ist sie repräsentativ, so repräsentativ, daß sie jedem Goethe-Institut im Fernen Osten zur Ehre gereichen würde. Das wundert keinen, der sich den Vorsprach zum Katalog ansieht. Dort heißt es, und das ist kein Scherz: "Die Ausstellungsleitung Haus der Kunst München e.V. hat in den letzten Jahren von verschiedenen Seiten die Anregung erhalten, die Kunst der jungen Generation Westdeutschlands... einmal in einer übersichtlichen Ausstellung zu zeigen. Es handelt sich hierbei um einen ersten Versuch, der, falls die Ausstellung eine entsprechende Resonanz findet, in gewissen Zeitabständen wiederholt werden soll."

Falls. Und wenn man, wie hier, jedesmal zu einem Jahrhugdertunternehmen Anlauf nimmt, darf man auf längere Abstände wetten.

Es ist diese seltsame Behäbigheit, die die Ausstellung insgesamt lähmt. Kein Funke, kein Feuer. Da herrscht Retrospektivenstimmung, Nachruf-Mißgelauntheit. Man mag gar nicht so recht glauben, daß das alles an den Wänden und in den Räumen neu ist, frisch ist, jung ist. Manches ist allerdings auch schon ein bißchen abgehangen: Von Gernot Bubenik zum Beispiel sieht man drei Tafeln, davon zwei von 1966, die dritte aus dem Jahr 67. Von Amtes (er ist, tatsächlich, Jahrgang 36) ein Kopffüßlerpaar von 67/68. Von Klapheck (ja, der auch) ein Stück Öl von 1959!

An den Künstlern jedoch liegt es nicht allein, daß die Lust Daumen dreht, sondern am Mangel an Perspektive. Wenn der Veranstalter als einzige konzeptionelle Vorstellung Breite hat, wenn man simpel und positivistisch möglichst viele Informationseinheiten an Kunst vermitteln will, dann, so zeigen hinreichend andere umfassende Expositionen, muß es bei einer amorphen Masse bleiben.