Die Brüsseler Tagung der EWG-Landwirtschaftsminister war von schweren Unruhen begleitet. Mehr als 100 000 europäische Bauern demonstrierten in der belgischen Hauptstadt gegen die Agrarpolitik der Gemeinschaft. Ihr Protest richtete sich zum Teil gegen die Vorschläge Sicco Mansholts, des für Agrarfragen zuständigen EWG-Vizepräsidenten.

Bei der Demonstration kam es zu schweren Ausschreitungen: die Bauern setzten Autos und Straßenbahnwagen in Brand und plünderten zahlreiche Geschäfte. Die Krawalle forderten mehrere Schwerverletzte und einen Toten.

Vor dem Hintergrund der Massendemonstration verlangte der Brüsseler Kongreß der Bauernorganisation der Europäischen Gemeinschaft (Copa) eine sofortige Anhebung der Erzeugerpreise um mindestens sechs Prozent. Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, von Heeremann, sprach von einer "Ausbeutung" der Bauern. Die hohe Spanne zwischen Erzeuger- und Verbraucherpreisen wurde heftig kritisiert.

Auch deutsche Bauern demonstrierten anläßlich der Brüsseler Tagung für höhere Erzeugerpreise: Schleswig-Holstein war am Montag Schauplatz der größten Bauerndemonstration seit Kriegsende. Die rund 30 000 Bauern blockierten den Verkehr fast völlig.