Nun also ist der Monat tot. Die meisten anderen deutschen literarischen und politisch-literarischen Zeitschriften wären es ebenfalls längst, wenn nicht immer noch Geldgeber bereit wären, sie am Leben zu halten.

Die einzige Ausnahme macht Enzensbergers Kursbuch; obwohl es, im Unterschied zum Monat der letzten Jahre, keinerlei Versuche unternommen hat, durch lockere und einladende Präsentation Käufermassen anzuziehen, hat es eine Auflage erreicht, die es ihm erlaubte, sich vom Suhrkamp Verlag zu lösen und, an Wagenbachs kleinen Verlagsapparat angelehnt, ein selbständiges Leben zu führen.

Warum? Weil es wußte, was es wollte oder zumindest suchte und ein nicht zu geringes, überwiegend studentisches Publikum sich auf der gleichen Suche befand. Es hatte sein Publikum, und da diesem die elektronischen und die anderen Massenmedien im Gegensatz zu dem, was vielleicht die CSU über die angeblich sozialistisch verseuchte deutsche Publizistik denkt, weitgehend verschlossen sind, war dieses Publikum auf eben diese Zeitschrift angewiesen. Das war viele Jahre hindurch ganz ähnlich die Situation etwa des Monats: Hier suchte ein deutsches Publikum, unter antikommunistischem Vorzeichen, Anschluß an die versäumte Internationale des Geistes.

Diese Situation besteht heute nicht mehr, und nichts könnte sie wieder herbeiführen. Es ist müßig, Vermutungen darüber anzustellen, ob man den Monat besser hätte machen können, denn nicht ein paar „bessere“ Beiträge oder Ideen hätten ihn retten können, sondern nur eine historische Situation, in der er noch notwendig gewesen wäre oder sich doch notwendig zu machen verstanden hätte. Das ist eine harte Bilanz, aber sie erübrigt persönliche Vorwürfe oder Ressentiments.

Ganz sicher wird der Siegeszug der elektronischen und visuellen Medien einen vielleicht sogar steigenden Minoritäten-Bedarf an rein verbalen, diskursiven, nicht auf Show-Effekte bedachten, also richtig altmodischen Zeitschriften übriglassen; aber diese werden nur dann eine Chance haben, wenn sie sich gegenüber dem übrigen Angebot bewußt und bedacht profilieren, wenn sie etwas bieten, was sonst nicht geboten wird, ein Kontrastprogramm – kurz, wenn sie nicht nur „gut“ gemacht werden, sondern auch genau wissen, warum es sie gibt. Dieter E. Zimmer