Wir wissen“, so faßt der bald 80jährige ehemalige Kieler Universitätsprofessor Fritz Baade seine neue, „in der menschlichen Geschichte völlig umstürzende“ Einsicht zusammen, „daß reiche Völker nicht reich bleiben können, wenn sie nicht den Weg finden, die armen Völker aus der Armut herauszuführen.“

Der Hunger in der Welt und die Hilfe der Völker untereinander sind seit Jahren Lieblingsthemen des Wekwirtschaftlers und Autors des 1960 geschriebenen Bestsellers: Der Wettlauf zum Jahre 2000. Wie jenes, so hat auch sein jetzt vorliegendes neues Buch Weltweiter Wohlstand einen sozialkritischen Charakter.

Doch, so der Autor, während 1960 allenfalls die Hoffnung auf eine Lösung der ökonomischen und sozialen Konflikte artikuliert werden konnte, ist er nun in der Beurteilung der menschlichen Einsicht versöhnlicher. Statt Hoffnung hat er mittlerweile die „Gewißheit“: Wir werden auch diesen Sieg erringen.

Gewißheit verschaffte dem Autor die Kontrolle eigener Aussagen. Und so beginnt er denn auch sein neues Buch mit einer Werbung für das alte. Zwölf Voraussagen aus dem Jahre 1960 werden an der tatsächlichen Entwicklung im letzten Jahrzehnt verifiziert. Und siehe da: Fritz Baade behielt recht – mit einer Ausnahme: Seine These „Rüstungswettlauf wäre Wahnsinn“ verhallte scheinbar ungehört.

Erst nach dem Rückblick – auf Seite 37 – beginnt das eigentlich Neue. Dabei kann man dem Autor ein beträchtliches Maß an Achtung nicht verwehren. An Hand zahlreicher Beispiele bis hin zum Wirtschaftswunder der Japaner und der Deutschen gibt Baade ein umfassendes Bild der Wirtschafts- und Sozialgeschichte, in Stil und Terminologie leicht verändert.

Baades wichtigste, wenn auch simple sozioökonomische These: Die Entwicklungshilfe der reichen Länder an ärmere ist auch für die reichen nützlich. Denn, so Baade, die Überwindung des Hungers ist die unbedingte Voraussetzung eines Wirtschaftsaufstieges. Erst dann kann der Wirtschaftskreislauf, die Außenhandelsverflechtung vollends einsetzen, von der sich Baade den „weltweiten Wohlstand“ verspricht.

Baades Beitrag zur Lösung der Welternährungsprobleme würde unvollständig bleiben, äußerte er sich nicht – wie in vielen seiner Artikel – zur „Grünen Revolution“, zum Siegeszug des „Wunderweizens“ um die Welt, zu neuen, ertragreichen Anbaumöglichkeiten von Mais und Reis. Seine Konsequenz: Steigender Einsatz von Handelsdünger mindert die Sorge um den Bevölkerungszuwachs. Denn wo der Hunger gebannt ist, läßt die Bevölkerungsexplosion nach.