Von Karl-Heinz Wocker

London, im März

I like Ted, schrieb die Wochenzeitung Economist letzte Woche in weißem Oval vor blauem Grund auf ihre Titelseite. Ted Heath kann solche Sympathiekundgebungen gebrauchen. Sein erstes Regierungsjahr hat ihm das volle Maß an Kummer gebracht, das ein frisch gewählter britischer Premier nur fürchten kann. Dabei waren und sind seine Voraussetzungen nicht schlecht: Er hat eine bereinigte Zahlungsbilanz vorgefunden; seine Parlamentsmehrheit, so unerwartet sie kam, ist durch eine gewisse Apathie im Labourlager eher vergrößert worden. Oppositionsführer Wilson war lange mit seinen einträglichen Memoiren beschäftigt und vertraut auch jetzt noch immer auf das alte Rezept, wonach man die fünf Jahre einer gegnerischen Amtsperiode einteilen muß wie die fünf Stadien eines Stierkampfes. Erst muß das Tier sich gründlich austoben, dann reizt man es, dann piekt man es, dann geht es in die Knie und schließlich versetzt man ihm den Todesstoß.

Derzeit also hat Stier-Heath noch Auslauf. Das Publikum ist vor allem deshalb so gespannt, weil im Ring noch zwei andere Matadore lauern: der Gewerkschaftsbund und die EWG-Kommission. Die Wetten gehen dahin, daß Heath den ersten zu Fall bringt, aber am zweiten scheitert. Die trade unions, schon im Tory-Wahlprogramm als Hauptgegner aufs Korn genommen, sind bereits in vollem Rückzug vor dem Reformgesetz der Regierung. Sie haben sich nach ihrem Triumph über die Wilson-Administration eingebildet, mit den Tories ebenso leicht fertig zu werden.

Eine schwache, politisch gemäßigte Dachorganisation kann mit einer Bewegung, in der die beiden stärksten Gruppen (Transport- und Metallarbeiter) zugleich militant und feige sind, keinen Kampf gegen eine entschlossene Parlamentsmehrheit führen. Die beiden starken Gewerkschaften haben es den Elektrikern und den Postangestellten überlassen, einen Kampf auszutragen, den allenfalls sie hätten gewinnen können. Aber niemand stellte den Elektrikern die Frage, ob sie eigentlich wüßten, wie rasch ihr unpopulärer Ausstand zusammenbrechen müsse. Kein Gewerkschaftsführer war klug genug, vorauszusehen, daß dies vor allem als Streik gegen das Recht auf das abendliche Fernsehen empfunden würde.

Nach dieser Niederlage (aus der immerhin eine elfprozentige Lohnerhöhung resultierte) hinderte niemand die streikunerfahrenen Briefträger, sich mit ihrer leeren Kasse in den längsten offiziellen Ausstand der Nachkriegszeit zu stürzen. Die wort- und finanzstarken Mammutgewerkschaften waren auch nicht bereit, die Postangestellten materiell abzusichern, obwohl doch aus deren Arbeitskampf nach ein paar Wochen die Entscheidungsschlacht gegen die Lohnpolitik der Regierung wurde und von den militanten unter den trade unionists auch als Kraftprobe im Tauziehen um das Gewerkschaftsgesetz angesehen wurde. Das alles waren schwere taktische Fehler. Gegen solche Opponenten läßt sich’s leicht regieren.

Die trade unions haben nun außer dem Schaden des Reformgesetzes, an dem sie wohl nichts mehr ändern können, auch noch den Spott der Tories zu tragen, die ihnen immer wieder versichern, das Gesetz stärke doch ihre Position, indem es für mehr Disziplin in ihren Reihen sorge. Der Sonderkongreß in Croydon blies daher zu einem Teilrückzug, der bereits die völlige Preisgabe der Front ankündigt. Keine weiteren Streiks sollen gegen das Gesetz veranstaltet werden, aber mit dessen Neuerungen will man nicht zusammenarbeiten. "Non-confrontation, but noncooperation" lautet die neue Parole.