Bei den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz hat die CDU zum erstenmal mit 50,0 Prozent die absolute Mehrheit erreicht. Sie verbesserte sich um 3,3 Punkte. Um 3,7 Punkte konnte sich die SPD steigern, die damit ihr Ziel, die 40-Prozent-Marke, erreichte. Sie wertet als besonderen Erfolg, daß ihr bisheriger Abwärtstrend bei den Länderwahlen durchbrochen worden ist.

Der große Verlierer ist die FDP. Sie mußte 2,4 Punkte abgeben und wird, auf Grund des „Wahlschlüssels“ im Landeswahlgesetz, künftig nur drei Abgeordnete und damit nicht einmal Fraktionsstärke in Mainz besitzen. Die FDP hatte vor der Wahl erklärt, sie werde die Koalition mit der CDU erneuern. Der alte und neue rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kohl hat ihr bereits ein Koalitionsangebot unterbreitet.

Die beiden großen Parteien haben den Wahlausgang als Bestätigung ihrer Politik gewertet. Beide äußerten sich befriedigt darüber, daß die NPD entscheidend geschlagen wurde. Die FDP wird sich dagegen mit der Frage befassen, ob ihre Koalitionserklärung zu der Niederlage beigetragen hat. Bis jetzt haben die Freien Demokraten – durch eine „SPD-Blutspende“, wie der CDU-Generalsekretär Heck meinte – bei Länderwahlen überall dort gewonnen, wo sie sich, für eine sozial-liberale Koalition ausgesprochen hatten.

In den sechs Wahlkreisen gab es überraschende Ergebnisse. Die CDU mußte in ihren Hochburgen im überwiegend katholischen Norden Stimmen abgeben. Sie gewann in den Städten und in den südlichen protestantischen Landesteilen dazu, wo sie relativ schwach vertreten war. Außerdem profitierte sie von den ehemaligen NPD-Wählern – wie die SPD von den früheren FDP-Wählern. Dennoch wäre es falsch, von einem „Rechtsruck“ zu sprechen. Der Wahlkampf wurde sehr sachlich und sachbezogen geführt.

Die SPD hat nirgends in Rheinland-Pfalz Verluste hinnehmen müssen. Sie nahm in unterschiedlichem Maße in den ländlich-katholischen Gemeinden und in den Bezirken zu, wo sie bisher schon stark war. Allgemein zeigten die Wahlen die Tendenz einer Annäherung der beiden großen Parteien zu Lasten der kleinen.

Die Landtagswahl war von „bundespolitischen“ Spekulationen begleitet. Ob Kohl den hohen Sieg errungen hat, der ihn für den CDU-Parteivorsitz empfiehlt, ist ungewiß. Kohl selbst befürchtet offenbar, daß der Wahlausgang den FDP-Flügel bestärkt, der alles Heil in einer Koalition mit der SPD sieht und damit eine mögliche CDU/FDP-Regierung in Bonn auch 1973 ausschließt.