Der neue nordirische Ministerpräsident heißt Brian Faulkner. 26 Abgeordnete der in Belfast regierenden Unionistischen Partei wählten am Dienstag den 50jährigen früheren Minister für wirtschaftliche Entwicklung zum Nachfolger von James Chichester-Clark, der am Wochenende zurückgetreten war. Faulkners Gegenkandidat, der ehemalige Innenminister und Vertreter des rechten "harten" Flügels, William Craig, erhielt nur vier Stimmen.

Damit ist die seit zehn Tagen schwelende Regierungskrise zwar beigelegt, ihre Ursache aber nicht beseitigt. Mitte voriger Woche hatte Chichester-Clark auf Drängen seines rechten Parteiflügels in London vier Maßnahmen verlangt, um der Terroristen Herr zu werden und die innerparteiliche Opposition zum Schweigen zu bringen: Verstärkung der britischen Truppen, Wiedereinführung einer bewaffneten (protestantischen) Miliz, direkte Besetzung katholischer Viertel und Sondervollmachten zur Verhaftung und Internierung ohne Gerichtsverfahren.

London lehnte die drei letzten Punkte ab, und Chichester-Clark, nach seinen Worten ohnehin amtsmüde, trat zurück. Premierminister Heath, der wegen der Belfaster Krise seinen Deutschland-Besuch auf den 5. und 6. April verschob, ließ die Nordiren wissen, daß Londoneher Ulster direkt verwalten als eine harte, auf Unterdrückung der Katholiken hinarbeitende Regierung dulden werde.

Craig hat denn auch gleich angekündigt, daß er den reformwilligen Faulkner bekämpfen werde; er – Craig – repräsentiere nämlich "die Mehrheit der einfachen Mitglieder in ganz Ulster". Der ehemalige Innenminister rühmt sich offen, schon zwei Ministerpräsidenten gestürzt zu haben.

Damit steht Faulkner vor dem alten Dilemma: Maßnahmen, die die Katholiken besänftigen können, bringen die Protestanten auf. Im umgekehrten Fall muß er mit neuen Terroraktionen der verbotenen Irischen Republikanischen Armee (IRA) rechnen. Angesichts der gereizten Stimmung unter den Protestanten nach der Ermordung von drei jungen englischen Soldaten ist dann ein Bürgerkrieg nicht auszuschließen.

Dämpfend wirkt bei den unnachgiebigen Unionisten aber die Sorge, London könne in diesem Falle die direkte Verwaltung der sechs nordirischen Provinzen einführen. Ein solcher Schritt sei aber, wie sie befürchten, der Anfang eines "Verkaufs" von Ulster an die Irische Republik.

Die britischen Truppen in Nordirland sind inzwischen um 1300 Mann verstärkt worden. Kritiker dieser Maßnahme weisen jedoch darauf hin, daß der bis jetzt befolgte Weg, den Terror einzudämmen, offensichtlich erfolglos ist.