Keinem Ministerium wird soviel bereitwillige Achtung entgegengebracht wie dem Auswärtigen Amt, keiner Karriere traditionell soviel Bewunderung gezollt wie der diplomatischen – schade, daß dieser Hort klassischer Sitten und chevalresken Stils sich nun den sachlich-brutalen Gepflogenheiten unseres Zeitalters anpaßt.

Nach achtunddreißigjährigen Beamtenlaufbahn ist Botschafter Berger mit einem Zehn-Zeilen-Brief des Außenministers vorzeitig in den Ruhestand versetzt worden. Der naheliegende Verdacht, dieser Entschluß habe politische Hintergründe, er hänge mit Botschafter Bergers Skepsis gegenüber der Bonner Ostpolitik zusammen, vielleicht mit der Einstellung des Vatikans zu den östlichen Bistümern und sicherlich mit einem Artikel, der in der polnischen Zeitung Zycie Warszawij erschien, ist offenbar gänzlich unbegründet. Weder hat der loyale Beamte Anlaß zu Kritik gegeben, noch hat der Minister Vorwürfe dieser Art erhoben; das Auswärtige Amt hat lediglich „Personalpolitik“ – allerdings mit der Axt – betrieben.

Erst vor wenigen Wochen, Anfang Februar, war Dr. Berger in Bonn, um neue Direktiven zu erhalten; nur die für sein persönliches Leben so entscheidende Direktive wurde ihm vorenthalten. Aus Bequemlichkeit? Aus Rücksichtslosigkeit? Da legen die Diplomaten so großen Wert aufs Protokoll, auf Übung und Schulung in Anrede, Placement und Anzug, aber wie man menschlichen Umgang übt, das steht offenbar nicht auf dem Stundenplan. Vielleicht interessiert das auch niemanden mehr. Dff