Von Walther Karsch

Vor beinahe dreiundzwanzig Jahren wußten die deutschen Gazetten und die Nachrichtenagenturen zu berichten, in Berlin werde unter des Amerikaners Melvin J. Lasky Leitung vom September 1948 an eine „Internationale Zeitschrift für Politik und geistiges Leben“ – genannt Monat – erscheinen; Weggefährts der ersten Stunde sollte der Berliner Schriftsteller Hellmut Jaesrich sein und sollte es bleiben bis zum bitteren Ende, 1971.

Die Ankündigungen versprachen uns für die ersten Hefte manchen Schriftsteller und manchen Publizisten von internationalem Rang. Von Abstrichen abgesehen, wie sie bei Publikationsorganen unvermeidlich sind, hatte das neue Blatt sein Wort gehalten. Ein durchaus nicht umfassender Blick auf die Liste der Mitarbeiter des ersten Jahrgangs möge das zeigen: Willy Brandt, Benedetto Croce, Sidney Hook, Aldous Huxley, Wilhelm Röpke, Ernst Tillich, Karl Jaspers, Golo Mann, Franz Borkenau, Melvin J. Lasky, Boris Shub, T. S. Eliot, Jean-Paul Sartre, Walter Maria Guggenheimer, Bertrand de Jouvenel, Bertrand Russell, Arnold J. Toynbee, Carlo Levi, George Orwell, Günther Birkenfeld, Louis Fischer, Arthur Koestler, W. H. Auden, Ernst Robert Curtius, Edouard Roditi, Carl Linfert, Herbert Pfeiffer, Klaus Pringsheim, Lionel Trilling, Arnold Schönberg, Siegfried Kracauer und William Saroyan.

Namen also, deren Träger politisch zum Teil sogar in der rechten Mitte angesiedelt waren, denkt man an Wilhelm Röpke, dessen Einfluß auf die liberale Entwicklung der bundesdeutschen Wirtschaftspolitik dabei keineswegs zu unterschätzen war. Während Namen wie der von Franz Borkenau bei aller etwa schon vor der Emigration, spätestens in deren Verlauf vollzogenen Trennung vom Kommunismus Garantie dafür boten, daß die nie unterlassene Polemik gegen die aus dem Osten drohende Diktatur fundiert war durch eine möglichst umfassende Information über Politik, Wirtschaft und auch Kultur der Ostblockstaaten.

Was wurde nun aus der „Internationalen Zeitschrift für Politik und geistiges Leben“, als die sich Der Monat 1948 angekündigt hatte? Schon die Autorennamen der ersten Hefte, mehr noch die Themenfülle, die sich dem Leser darbot, und nicht zuletzt die Breite der Aspekte, unter denen die Autoren ihr Thema zu behandeln sich verpflichtet fühlten, ließen jedes Heft des „Monats“ begehrenswert erscheinen.

Als das Heft 150 erschien, publizierte der Verlag das Register aller 150 Hefte, die vom Oktober 1948 bis zum März 1961 sein Signum getragen hatten. Wer heute, sozusagen zur privaten Erinnerung, in dem Register blättert, kann noch einmal nachvollziehen, was er in jenen dreizehn Jahren politisch, wirtschaftspolitisch, literarisch, künstlerisch, manchmal heftig gegen seinen Willen, meist aber unter begeisterter Zustimmung, gelernt hat.

Um so zorniger der Zorn, der ihn bei dem Ende des Monats erfaßt, um so tiefer auch die Trauer. Ob die Geschichte der Zeitschrift, die zugleich auch die Geschichte ihrer Finanzen ist, Aufschluß über das für uns beschämende Desaster geben kann? Erst kam das Geld von der amerikanischen Besatzungsmacht, und zwar gleich sechs Jahre lang. Dann wurde eine „Gesellschaft für Internationale Publizistik“ gegründet. Sie hat, im wesentlichen unter dem Einfluß von Shepard Stone, den Monat, ohne nun ihrerseits Einfluß oder gar Zwang auf die Zeitschrift zu üben, bis 1968 finanziert. Im ganzen waren es 1,5 Millionen Dollar, also rund 6 Millionen Mark, die von dort aus in die Kasse geflossen sind. Wie Gerd Bucerius im Abschiedsheft des Monats mitteilt, brauche ein solches Blatt jährlich 600 000 Mark Zuschuß mit einer Steigerungsrate von 50 000 Mark.