München

Im Bayerischen Rundfunk, so heißt es, stehe die Krise vor der Tür. Bei genauerem Hinsehen bekommt man aber eher den Eindruck, daß die Krise längst da ist, daß sie nach und nach durch Ritzen und Fugen in die Redaktionen gedrungen ist, und dort nun beharrlich nistet.

Aktuelle Anlässe für Unmut und Unbehagen sind drei Dinge: Erstens die bevorstehende Umstrukturierung der Hörfunkabteilungen und die damit zusammenhängenden personellen Ent-Abgeordneter zweitens die Pläne einiger CSU-Abgeordneter um Ludwig Huber, eine Änderung des Rundfunkgesetzes zu bewirken, um der ständisch-pluralistischen Zusammensetzung des Rundfunkrates den Garaus zu machen, und statt dessen ein parteipolitisches Gremium zu bekommen, das die Verhältnisse im Landtag widerspiegelt – womit die CSU die absolute Mehrheit in diesem Kontrollorgan besäße; drittens der seit Ende Februar kursierende Gesetzentwurf des CSU-Abgeordneten Erwin Stein zur Einführung eines privaten Hör- und Fernsehfunks.

Intendant Christian Wallenreiter möchte nächstes Jahr nicht aus dem Amt scheiden, ohne den weißblauen Sender wohl geordnet zu haben. Während ihm die Umstrukturierung des Fernsehens ohne große Umstände, doch kaum zur allseitigen Zufriedenheit, gelang, ließ sich ein ähnlicher Plan für den Hörfunk nur zäh an. Die Redakteure reichten ein knappes Dutzend verschiedener Pläne ein, von denen keiner angenommen wurde. Man einigte sich schließlich nach Monaten auf „die drittbeste Möglichkeit, die es gegeben hatte“, wie der liberale Gunthar Lehner (Hauptabteilungsleiter Kultur und Erziehung) sagt. Man fühlte sich wohl etwas in die Enge getrieben, nachdem Rundfunkratsmitglied Dr. Wilhelm Fritz einen eigenen Strukturplan „als Diskussionsgrundlage“ eingereicht hatte.

Walter von Cube, der sich selbst nicht ohne Koketterie als „Bremser“ bezeichnet, meint, daß sich der Druck der Politiker zwar theoretisch bis sehr weit nach unten in der Hierarchie des Hauses auswirken könnte, daß es aber bislang keine Pressionen in personellen, sondern nur in Programmfragen gäbe. Wenn das stimmt, dann muß man wohl fragen, warum das Haus von sich aus den Proporz so umsichtig wahrt.

Nach den neuen Plänen werden künftig die drei mächtigsten Hauptabteilungsleiter sein: Walter Kröpelin, CSU-Mitglied Josef Othmar Zöller („ich stehe in kritischer Loyalität zu Franz Josef Strauß“), dem künftig das Regionalprogramm, das „Service“-Programm (3. Programm) und der Sport unterstehen sollen, und der liberale Katholik Gunthar Lehner. Bisher war Lehner stellvertretender Programmdirektor, nun sollen alle drei als Stellvertreter für den Programmdirektor fungieren können.

Wallenreiter geht es darum, wie er sagt, „auch unbequeme Meinungen zu unterstützten (was hier und da bezweifelt wird), und ein Parteienprogramm wäre ihm ein Greuel: „Die Palette der Meinungen ist noch viel weitgehender und viel differenzierter als die Programme der Parteien.“ Auch Walter von Cube wird sich kaum in der Rolle des Erfüllungsgehilfen sehen wollen und können. Ob beide jedoch stark genug sind, der unguten politischen Polarisierung entgegenzuwirken, darf bezweifelt werden. Gunthar Lehner: „Wir sind personell ausgeblutet.“