Die türkische Regierungskrise scheint überwunden: Die stärkste Partei im Parlament in Ankara, die bislang regierende Gerechtigkeitspartei, sagte dem neuen Ministerpräsidenten Nihat Erim ihre Unterstützung zu. Vorher hatten bereits die anderen maßgeblichen Parteien ihre Bereitschaft zur Mitarbeit im Kabinett der „Nationalen Koalition“ bekundet. Damit haben sich die Militärs durchgesetzt, die am 12. März die Regierung der Gerechtigkeitspartei unter Führung Demirels zum Rücktritt gezwungen, ultimativ eine „starke und glaubwürdige Regierung“ gefordert und die Machtübernahme durch die Armee angedroht hatten.

Daß Ismet Inönü, als Führer der Volksrepublikaner die parlamentarische Schlüsselfigur, nach anfänglichem Widerstand die Forderungen der Militärs akzeptierte, erklären diplomatische Beobachter mit einem Offiziersputsch, der von den gemäßigten Oberbefehlshabern unterdrückt wurde. Erim ist parteilos: Auf Wunsch der Militärs trat er aus der Volksrepublikanischen Partei aus. Ihn erwarten schwierige Aufgaben: Neben der Wiederherstellung der inneren Ordnung verlangen die Streitkräfte vor allem die Durchführung sozialer Reformen, insbesondere der Bodenreform.