„Beginn einer Verzweiflung“, Epiloge von G. F. Jonke. Diese Epiloge sind eigentlich Prologe und Präludien, vergleichbar mit jenen Frühwerken der Dichter, als sie noch Dichter hießen: unroutiniert, von Ehrgeiz nicht verdorben, Artikulierungsversuche eines Talents, die so unbefangen nie wiederkehren. Kurz: ein hochbegabter Erstling. Allerdings ein nachgezogener Erstling, denn wir müssen diese Texte und Selbstbeobachtungen vor dem „Geometrischen Heimatroman einordnen, der 1969 erschien, und der „Glashausbesichtigung“ von 1970. Betrachtungen über die eigene Geburtsstunde, die Familienverhältnisse, die Stadt, sind die ersten Versuche des Klagenfurters, zusammenhängende Prosa zu schreiben, und schon, wenn auch noch unterhalb des spezifischen Jonke-Idioms, zeichnen sich Vorwegnahmen ab, hyperbolische Sprachfiguren, eine Wiederholungstechnik, die scheinbare Tautologien in geschlossene Denkvorgänge verwandelt und zugleich in der Wiederholung ein Thema findet: Eigentlich ist alles der Wiederholung gemäß gekommen. Alles ist der Wiederholung zu Hilfe gekommen“, so beginnt die „Wiederholung eines Festes“. Man findet humoristische Kabinettstücke, wie die „Möglichkeit eines Vorwortes oder einer Einleitung zu meiner Dissertation über die Elemente der Fuge bei Robert Schumann.“ Das Buch gibt den Blick frei auf das Wurzelgeflecht von Jonke, Scharang & Co. und gehört in die Handbibliothek eines vergnügten Kurzprosalesers. (Residenz Verlag, Salzburg; 104 S., 9,80 DM)

Martin Gregor-Dellin