Neu in Museen und Galerien:

Bremen Bis zum 4. April, Kunsthalle: „Michel“

Seit 1951 lebt der deutsche Maler Michel, der einmal in Hamburg studiert hat, in Paris und bastelt seine reizenden kleinen Collagen, die alle paar Jahre in Deutschland gezeigt werden, meistens in kleineren. Galerien, aber auch schon probeweise auf dem Kölner Kunstmarkt, wo diese subtilen Miniaturen keine Chance haben, bemerkt zu werden, es sei denn von Sammlern und Leuten, die sie ohnehin kennen und bewundern. Bremen bringt jetzt eine reichliche Auswahl aus den 50er und 60er Jahren, rund 90 Collagen, Objekte und „Altärchen“. Michel arbeitet gegen das gewohnte Collage-Prinzip. Das Zeug, das er verwendet, Stoffreste, Maschendraht, abgebrannte Streichhölzer, Zigarettenkippen, soll gerade nicht das Bild mit realer Substanz aufladen. Das Streichholz steht als Leuchtturm am stimmungsvollen Watt aus Schmirgelpapier und blau gefärbtem Gewebe, und die hellbraune Perlonsocke schiebt sich als Landesteg ins Meer, über dem der Zahnradmond aufgeht. Ohne Rücksicht auf ihre materielle Provenienz werden die Dinge zart- und hintersinnig auf „Malinconia Veneziana“ eingestimmt und zu romantischen Arrangements collagiert, die mit teils schwermütigen, teils ironischen Zitaten aus der europäischen Kunst- und Literaturgeschichte durchsetzt sind: nachBruegel der Sturz des Ikarus, Gestirn für Trakl, Robinsonade und Des Knaben Wunderhorn, Leda mit den Zwillingsnachttischlampen. Liebenswürdige Botschaften für Gebildete aus einem Pariser Elfenbeinturm. Nur die „Altärchen“ sind manchmal zu niedlich, um schön oder auch nur ironisch zu sein.

Köln Bis zum 30. April, Galerie Klang: „Equipo Cronica“

Die „Guernica“-Version des spanischen Teams war zuerst vor einem Jahr in Karlsruhe auf der Ausstellung „Kunst und Politik“ zu sehen, ein wichtiger Beitrag zum Thema, weil er die Ohnmacht politischer Kunst und den Protest gegen die Ohnmacht manifestierte. „Guernica“, das sich gegen seine museale Neutralisierung zur Wehr setzt, mit gestrecktem Arm in den Raum vorstößt und dem Besucher zerfetzte Glieder vor die Füße rollt. Die „Guernica“-Requisiten, die Hand mit der Lampe, der schreckliche Pferdeschädel, die verzweifelte Frau, finden jetzt auch als Stoffmuster Verwendung, auf dem Reifrock der bezaubernden Velasquez-Prinzessin. Im Atelier des Velasquez haben sich die beiden Maler der Minigruppe „Equipo Cronica“ Manuel Valdes und Rafael Solbes selbst dargestellt, sie erscheinen hinter den Meniñas, mit denen sie sehr viel rüder verfahren als weiland Picasso in seinem Meniñas-Zyklus. Rücksichtslos werden Velasquez und Goya brutalisiert und banalisiert, die „Übergabe von Breda“ findet in einer Comic-strip-Landschaft statt, und Goyas Königsfamilie repräsentiert sich im modernen Kleinbürgermilieu, die Hoffräulein schauen aus der aufgebrochenen „Wunderkiste“. Die Persiflage, der despektierliche Umgang mit der geheiligten spanischen Tradition ist für Künstler, die in Spanien, in Valencia leben, das probate und vielleicht einzige Mittel, ihren Protest gegen das System, gegen die Verhältnisse und die Unmöglichkeit, sie zu verändern, zu artikulieren. Im „Akt der Schöpfung“ sieht man die beiden Maler in ihrem Arbeitsraum zwischen Velasquez-Gerümpel hantieren, die verschiedenen Angriffs- und Bewußtseinsebenen sind grotesk verzahnt und verschlüsselt.

Gottfried Sello

Die wichtigsten deutschen Ausstellungen: