Die beiden großen Parteien können zufrieden sein. In Rheinland-Pfalz ist die Mehrheit für die CDU noch deutlicher ausgefallen als allgemein erwartet. Auch für die SPD bedeutet das Mehr von fünf Parlamentssitzen Bestätigung und Auftrieb. Daß sie diesen Erfolg mit einem aggressiv angelegten Wahlkampf und unter der Führung des Altsozialisten Wilhelm Dröscher errang, der aus seinen Sympathien für die Linke keinen Hehl gemacht hat, wird wohl auf die gesamte SPD nicht ohne Wirkung bleiben.

Am wichtigsten für die innenpolitische Szene ist freilich das Debakel der Freien Demokraten. Von dem Balanceseil zwischen Unterstützung der sozialliberalen Koalition in Bonn und Bereitschaft zur Fortsetzung des Bündnisses mit der CDU in Mainz sind sie abgestürzt. Ein beträchtlicher Teil ihrer Wähler hat ihnen die Absicht verübelt, dem Bonner Vorbild nicht zu folgen. Daraus läßt sich schließen, daß gegenüber der immer stärkeren Polarisierung zwischen CDU/CSU und SPD/FDP im Bund Versuche, diese Frontenstellung in einzelnen Ländern zu verändern, der FDP keinen Erfolg versprechen.

Völlige Gewißheit, ob die Freien Demokraten künftig ihr Heil allein an der Seite der SPD finden, wird es allerdings erst nach den Wahlen in Schleswig-Holstein im April geben, wo sich die FDP für eine Koalition mit den Sozialdemokraten erklärt hat. Ebenso wird sich in Schleswig-Holstein herausstellen, ob ein aggressiver, auf Linkskurs getrimmter Wahlkampf, wie ihn Jochen Steffen noch stärker als Dröscher vorexerziert, der SPD tatsächlich Chancen eröffnet. Sollten SPD und FDP in Kiel erfolgreich sein, so wäre damit die Allianz für die nächste Bundestagswahl endgültig präjudiziert und zum Teil auch schon die Frage beantwortet, wie sich die SPD dann den Wählern präsentieren wird.

C. C. K.