Nun hat auch Edward Heath sein Rhodesien. Nur liegt es dicht vor der Tür, in Nordirland, und die Rückwirkungen auf die Londoner Politik sind weitaus bedrohlicher. Das britische Kabinett hat dem protestantischen Rückschlag in Ulster erst einmal eine neue Absage erteilt. Der nordirische Premierminister Chichester-Clark mußte gehen, weil er den Briten nicht mehr Konzessionen an den Geist der Reaktion entlocken konnte, der in Belfast umgeht.

Ein Teil der Ulster Unionist Party will einfach nicht einsehen, daß kein Weg zurückführt hinter den August 1969, als der britische Innenminister Callaghan eine fast 50jährige Unrechtsherrschaft durch die militärische Garantie eines Reformprogramms beendete, dem die Belfaster Regierung dann auch zustimmte. Jetzt reden die Rechtsradikalen um William Craig von der Möglichkeit einer Sezession im Stile Rhodesiens, und der Reverend Ian Paisley erfleht dafür den Segen Gottes, den er für einen guten Protestanten hält.

Premier Heath verfolgt mit Sorge die Aussichten des neuen nordirischen Premierministers Brian Faulkner. Dieser ist zwar geschickt und sicher der beste Mann weit und breit, aber auch er kann von London nicht bekommen, was seinem gestürzten Vorgänger verweigert wurde: Eine Blankovollmacht zur Rückverwandlung Nordirlands in ein undemokratisches Land mit politisch und sozial unterdrückter Minderheit. Das zu verhindern, bliebe nur – als letztes, von allen verabscheutes Mittel – das Aussetzen der nordirischen Selbstverwaltung und die Londoner Direktherrschaft übrig. K. H. W.