In Bonn grassiert die Angst. Die Angst vor dem Beifall. Beifall liebt jeder. Aber der Beifall von der falschen Seite kann tödlich sein. Am gefährlichsten ist der Beifall aus der linken Ecke. Und den hat zur Zeit Schröder am meisten zu fürchten.

„Wenn man sich Schröder zitternd vorstellen könnte“, sagte Hugo, mein „Mann in Bonn“, „dann müßte er jeden Morgen bebend die Zeitung zur Hand nehmen. Wenn die links-liberalen Zeitungen nicht endlich damit aufhören, Schröder als Kanzlerkandidaten zu empfehlen, kann er seine Gedanken ganz seinem Sylter Ruhesitz zuwenden – mit der Kanzlerschaft ist es dann Essig.“

„Welchen Beifall müßte sich Schröder wünschen?“ fragte ich.

„Er braucht ja nicht gerade orkanartig zu sein – aber schon ein zaghafter Beifall in der eigenen Fraktion würde ihn sicher sehr beglücken. Da er aber im Bundestag nie den Mund auftut, ziehen seine Kollegen es vor, bei Schröder auf den Händen zu sitzen.“

„Muß sich auch sein Rivale Barzel vor Beifall von der falschen Seite fürchten?“

„Barzel ist so ein Fall, wo der falsche Mann meist mit dem Beifall von der richtigen Seite rechnen kann. Man behauptet, er arbeite mit einer Claque, die bei der berühmten Wiener Opern-Claque in die Lehre ging. Außerdem kann Barzel noch mit dem Beifall von 36,5 Prozent von 16 837 Quick-Lesern rechnen. Aber ob das zur Kanzlerschaft reicht, ist eine andere Frage.“

„Gibt es auch falschen Beifall von rechts?“