Man muß ein Buch wie einen Felsblock aus dem Schlamm der Gedanken heben.

Norman Mailer

Sitzungszeiten in der Universität

Der Hochschulverband, die Standesvertretung der Professoren, warnt in seinem Mitteilungsblatt vor „endloser Selbstverwaltung“. Anlaß war die Klage eines Heidelberger Verbandsmitglieds über die 120 Stunden, die der Große Senat der Universität Heidelberg im Jahre 1970 getagt hat: „Die Vorbereitungszeit für die einzelnen Sitzungen ist – wohl eher zu knapp – auf sechzig Stunden veranschlagt. Damit ergibt sich, daß jedes Mitglied des Großen Senats im letzten Jahr 180 Stunden, also einen vollen Arbeitsmonat, allein für Sitzungen dieses Senats aufgewandt hat. Nicht gerechnet sind dabei Komissionen des Senats, Fakultäts- und Fachgruppenkonferenzen und so weiter ... Bei 137 Mitgliedern des Großen Senats beträgt die für seine Sitzungen aufgewandte Arbeitszeit insgesamt elfeinhalb Jahre.“

Kultur als Vorreiter

In Nordrhein-Westfalen scheint sich eine Neuorientierung kommunaler Kulturpolitik anzubahnen. So wollen die Städte Hamm, Neheim-Hüsten, Iserlohn und Soest in diesem Jahr zum zweiten Mal „lokalpatriotischer Engstirnigkeit“ mit dem Festival „Quadrum“ (bis zum 15. April) entgegenwirken. Teilnehmen werden die Berliner Schaubühne, das Düsseldorfer Schauspielhaus, das „antiteater“ aus München; außerdem haben sich Schriftsteller aus immerhin sechzehn Ländern zu einem Autoren-Kolloquium angesagt. Auch dem „Kulturellen Forum: Urbs 71“, welches vom 5. bis 13. Juni in Wuppertal stattfindet und gemeinsam von Bochum, Dortmund, Köln, Krefeld, Oberhausen und Wuppertal veranstaltet wird, liegt ausdrücklich die Absicht zugrunde, „historisch bedingte Konkurrenz“ und den damit verbundenen „Provinzcharakter vieler kultureller Unternehmungen“ zu überwinden und durch „effektivere Verwendung der gemeinsam verfügbaren Ressourcen und Mitteln“ den Bürgern Kultur auch als ein Mittel zur Neustrukturierung der „kommenden Großstadt Rhein-Ruhr-Wupper“ nahezubringen.