Von Jonas Alt

Neulich haben wir die Deutsche Dichterausstellung besucht. An einem Tag im Jahr werden dort die deutschen Dichter ausgestellt. Neulich war der Tag.

Am Eingang der Ausstellung, die, wie uns gesagt worden war, diesmal besonders reich bestückt sein sollte, begrüßte uns unser Führer. Er warnte uns vor allzu heftigen Berührungen der ausgestellten Figuren. Die Figuren, sagte er, haben schon genug ausgehalten. Wir wollen sie wenigstens an diesem Tage ein bißchen schonen, zumal wir sie später ja noch brauchen.

Mit unserem Führer zusammen betraten wir dann den großen Ausstellungssaal. Wir zeigten uns beeindruckt. Nachdem wir, sagte unser Führer, im vergangenen Jahr Martin Sperr aufgenommen hatten, konnten wir uns in diesem Jahr einer fast unverhältnismäßig angewachsenen Zahl von Ausstellungswünschen nicht verschließen und mußten zum Beispiel Peter Handke und Helmut Heißenbüttel und am Ende noch den Turrini in den Saal nehmen. Die Grenze, sagte unser Führer, haben wir bei dem Dichter Alberts gesetzt. Den werden Sie hier nicht finden. Kennen Sie den Dichter Alberts? Wir bedauerten, nein, wir kannten den Dichter Alberts nicht. Das war offenbar ja aber auch nicht nötig.

Das hier ist Peter Weiss, sagte unser Führer. Er hat sich nur schweren Herzens freimachen können für heute, er schreibt nämlich gerade ein neues Drama, das von Hölderlin handelt. Wir nehmen an, sagten wir, daß Hölderlin in diesem Stück ein Jakobiner ist und daß er nun das Problem hat, ob ein Jakobiner Oden und Hymnen und überhaupt Verse und überhaupt schreiben darf, und dies in einer an die Antike sich anlehnenden Weise. Wir können uns das lebhaft vorstellen.

Der da hinten, mit dem Einhorn, sagte unser Führer, ist Martin Walser. Der hat über Hölderlin schon geschrieben. Sonst sitzt er am Bodensee und beobachtet das Leben. Neulich hat Peter Handke ihn besucht, und Walser hat ihm abends die Geschichte vom Ritt über den Bodensee erzählt. Wir haben davon gehört, sagten wir, und wir meinen bestreiten zu sollen, daß Walser sich damit um die deutsche Dichtung verdient gemacht hat. Das, sagte unser Führer, ist nicht die Frage; die Frage ist, was Walser ihm sonst hätte erzählen sollen. Das Stück hätte Peter Handke auf jeden Fall geschrieben.

Das, sagte unser Führer, ist der Ruinenbaumeister Rosendorfer. Der Name ist uns schon zu Ohren gekommen, sagten wir. Ist Rosendorfer, sagten wir, nicht dieser unheimliche Satilikel, der, wenn uns nicht alles täuscht, uns nächstens mit einem Bändchen mandalinischel Bliefe beglücken wild? Wie aber, fragten wir, kommt der Losendolfel in diese Ausstellung? Das, sagte unser Führer, ging ebenso wie damals mit Peter Handke. Hellmuth Karasek brachte ihn uns eines Tages, und da haben wir ihn natürlich nehmen müssen; Das heißt, sagte unser Führer, wir hätten es natürlich auch lassen können. Dann aber hätten wir Karasek selber nehmen müssen, und da haben wir dann lieber damals den Handke und jetzt den Rosendorfer genommen. Wir beglückwünschten ihn. Danke, sagte er; freilich fürchte ich, fügte er hinzu, daß wir im nächsten Jahre dann doch den Karasek werden nehmen müssen. Es wird hier sonst auf die Dauer einfach zu voll. Zumal man uns, sagte er, hinterbracht hat, daß er jetzt die Fünfjährigen zum Dramenschreiben ermuntern will.