Von E. W. Mänken

Als Hans Birnbaum 1967 seinen Stuhl im Bonner Schatzministerium verließ, um auf dem Sessel des Vorstandsvorsitzenden der bundeseigenen Salzgitter AG Platz zu nehmen, lächelten die Stahlbosse von der Ruhr amüsiert. Damals steckte das Unternehmen tief in der Verlustzone. Im abgelaufenen Geschäftsjahr konnte der ehemalige Beamte für seinen Konzern einen Gewinn von 112 Millionen Mark ausweisen. Jetzt verstopfte Birnbaum eine weitere Verlustquelle: er veräußerte die 50prozentige Salzgitter-Beteiligung an der Lastwagenfirma Büssing Automobilwerke AG an die zur Gutehoffnungshütte AG gehörenden Firma MAN in Augsburg, die jetzt Alleinbesitzerin des Unternehmens ist.

Seine Erfolge bei Salzgitter haben den 55jährigen Hans Birnbaum zu einem chancenreichen Anwärter für einen anderen. Spitzenposten der deutschen Industrie werden lassen: für das Amt des Generaldirektors der Veba, deren Chef Heinz P. Kemper in Pension geht. Der Salzgitter-Boß ist heute bereits Aufsichtsratsvorsitzender der Veba, an deren Privatisierung er als Ministerialbeamter seinerzeit maßgeblich beteiligt war.

Seine Salzgitter-Erfolge verdankt Hans Birnbaum einer kompromißlosen Beseitigung unrentabler Betriebszweige. Bei seinem Amtsantritt untersuchte der Bonner Außenseiter zunächst einmal:

  • welche Unternehmen die größten Zukunftschancen haben (und wie sie wirkungsvoll gefördert werden können),
  • welche Unternehmen durch bestimmte Maßnahmen langfristig rentabel gemacht werden können
  • und welche Unternehmen aufgegeben werden müssen, weil sie keine begründete Aussicht bieten, rentabel zu werden.

Während im „Herzstück“ des Konzerns mit der Hüttenfusion von Salzgitter und Peine der entscheidende und offensichtlich erfolgreiche Schritt in die Zukunft getan wurde und die übrigen Weiterverarbeitungs- und Handelsunternehmen gut florieren, sind die Werften jetzt die letzten Fußkranken. Sie stehen per 30. 9. 1970 mit rund 30 Millionen Mark im Verlust.

„Die langfristige Konsolidierung der Salzgitter AG“ – ist Birnbaums Ziel. Wann ist es erreicht? – „Wenn wir nachhaltig Dividende zahlen können!“ – Unter nachhaltig versteht Birnbaum „eine Zeitspanne von fünf Jahren“. Der Gewinn hätte schon im Geschäftsjahr 1969/1970 die Ausschüttung einer ansehnlichen Dividende erlaubt. Aber das Aktiengesetz läßt es nicht zu, binnen zwei Jahren nach einer Kapitalherabsetzung mehr als vier Prozent zu zahlen. Birnbaum: „Vier Prozent hört sich an wie eine Wohnungsbaugenossenschaft.“