Ambrosius, aus dem Berufszweig der Heiligen, war Bischof von Mailand und ein streitbarer Mann. Selbst den mächtigen Theodosius den Großen nötigte er – man schrieb das Jahr 390 – zur Kirchenbuße. Der fromme Mann bekämpfte Heiden und Arianer; letztere glaubten bekanntlich an ein anderes Verhältnis zwischen Jesus und seinem Vater.

Nun muß der hl. Ambrosius, Trademark der Stadt Mailand, der so wacker Leute verfolgte, die sich der Idee hingaben, Christus und sein Vater seien nicht wesensgleich, erleben, daß er der Häresie und dem Heidentum Reverenz erweisen muß. Die Schaubühne am Halleschen Ufer gastierte nämlich mit ungewöhnlichem Erfolg in Mailand, woraufhin Therese Giehse für ihre Titelrolle in Brechts „Mutter“ die goldene Medaille der Stadt, geschmückt mit dem Heiligen auf dem Bischofsstuhl, erhielt.

War das die späte Buße des Heiligen an Theodosius, wenn er jetzt jemanden auszeichnen mußte, dem die Frage, ob der Vater durch den Sohn oder, im Sohn oder mit dem Sohn Hekuba ist und für den die Kennzeichnung „Arianer“ eine fromme Schmeichelei wäre? Oder handelt es sich um eine moderne Kriegslist des Heiligen, der nun auch die Schaubühne so lange segnet, bis sie in den Augen von St. Marx geschafft ist.

Vorstellbar ist folgende himmlische Szene: Da tritt, eines späten Tages, die Schaubühne vor die diversen jüngsten Gerichte, die Sektion Rote Zelle Himmel (Rotzhi) möchte sie gerade absolvieren, da erblickt sie die Medaille des heiligen Ambrosius nebst Bischofsstuhl. Und flugs muß sich die Schaubühne woanders um Aufnahme bewerben: bei den Arianern. Peter Stein aber leistet zusammen mit Theodosius erneut Kirchenbuße. Vor Ambrosius. H. K.