Täglich sind wir von unserer Sprache umgeben. Die Gespräche, die Kommunikation, die Literatur und unsere Gedanken bedienen sich einer Ausdrucksform, die sich in Jahrhunderten herausgebildet hat. Heute sind gewisse Sprachbilder gefestigt, die es ermöglichen, daß sich die Menschheit besser, anschaulicher und deutlicher verständigen kann.

Man möchte nun annehmen, daß eine Sprache dann allgemeingültig und bestimmend ist, wenn sie von der großen Zahl einer bestimmten Bevölkerung benutzt wird. Schulen sollten also eine solche Sprache lehren und sie auch forcieren. Es ist ersichtlich, daß die Wortgebilde und die Formulierungen, mit denen die Kommunikationsmittel arbeiten, die meisten Bürger erreichen. Ganz abgesehen davon, daß es einen guten und einen schlechten journalistischen Stil gibt, müssen wir die Sprache der Presse als repräsentativ ansehen. Journalisten, die wie kaum eine andere Berufsgruppe so aktiv mit und an der Sprache arbeiten, können wohl als Vorbilder für den Gebrauch eines „guten Stils“ angesehen werden.

Leider stellen sich aber die Deutschlehrer an unseren Schulen gegen die journalistische Sprache. Da hören die Schüler, daß dieser Stil zu leger, zu bildhaft, zu einfach und vor allem zu verführerisch sei. Schüler, die sich dieser Sprache bedienen, finden an den Korrekturrändern bei Klassenaufsätzen immer wieder das Zeichen für „schlechten Ausdruck“. Was wollen nun die Lehrer? Stellt man eine solche Frage, so hört man, daß die Sprache wissenschaftlicher, literarischer und dudenhafter sein soll. Das sind Schlagwörter, die keiner genau erläutern kann. Versuchen wir dies trotzdem einmal. Wissenschaftlich: etwa so, wie viele Fachbücher geschrieben sind, die man schon nach dem Lesen der ersten Seite resigniert beiseite legt, weil sie zu unverständlich sind? Literarisch: Was ist das? Es gibt keinen einheitlichen Stil in der Literatur. Das wollen aber die Deutschlehrer nicht wahrhaben. Bei ihnen ist auch der moderne literarische Stil „einfach schlecht“. Dudenhaft: Schade, wenn wir wieder doktrinär würden. Was eine kleine Gruppe von Menschen bestimmt, soll maßgeblich für die Sprache von Millionen sein!

Uns allen ist doch wohl klar, daß sich eine Sprache nur dann entfalten kann, wenn sie lebt. Die Schulen scheinen aber in den meisten Fällen eine Sprachentwicklung nicht zu wünschen. Viele bestrafen sogar die sprachgestalterische Aktivität der Schüler. Das ist geradezu absurd. Lehrer weisen immer wieder darauf hin, daß die eigene Meinung gewünscht sei. Eine eigene Sprache wird aber nicht geduldet. Das erscheint wie die Einengung der persönlichen Freiheit. In unserem Schulsystem der Zukunft, welches ganz unter dem Gesichtspunkt der freiheitlichen und persönlichen Entfaltung stehen soll, ist für die Einschränkung der Sprachfreiheit kein Platz.

Bernd Möller, 18 Jahre