Diesmal übertrieben die Zeitungen ausnahmsweise nicht – es war der größte Prozeß der Weltgeschichte. Siebzehn Richter, dreihundertdreiunddreißig Geschworene, siebenundvierzig öffentliche Ankläger und ebenso viele Verteidiger: wohl kein einziges Fernsehgerät auf dem ganzen Erdenrund, das nicht eingeschaltet gewesen wäre. Am Ende gab es keinen Menschen auf der Welt, den dieser Fall nicht persönlich betroffen hätte.

Der einzige, der den Glanz der Verhandlung störte, war der Held des Prozesses: ein Bauer mit faltigem Gesicht, in einem offensichtlich geborgten schwarzen Anzug. Der Angeklagte wußte nicht, wohin mit den Händen, er wagte nicht einmal, seine Krawatte, die ihn drückte, zurechtzurücken. Sein Alter ließ sich weder aus seinem Aussehen noch aus seinen Papieren ermitteln, denn er hatte nie welche gehabt. Die Frage nach seinem Alter, seiner Nationalität und seiner Staatsangehörigkeit war Gegenstand langjähriger Diskussionen gewesen, die zu keinem Ergebnis geführt hatten. Ja, seine Existenz selbst ließ sich nicht nachweisen. Seine leibliche Anwesenheit war zwar augenscheinlich, aber natürlich rechtlich von keinerlei Belang. Im Interesse der prinzipiellen Bedeutung des zu klärenden Problems beschloß das Gericht, auf die üblichen Fragen zur Person zu verzichten. Zwar mußte deshalb die ganze Prozeßordnung geändert werden, da der internationale Gerichtshof nach jahrelangen Überlegungen nun schon einmal beschlossen hatte, sich mit der Revision dieses Falles, der fast sechstausend Jahre alt war, zu befassen, wollte er sich die Sache nicht dadurch verderben lassen, daß er hartnäckig an den geltenden Vorschriften festhielt.

Die gelehrten Herren Juristen sahen den Mann, über dessen Schuld oder Unschuld sie verhandeln sollten, lieber nicht an, damit sie sich nicht zu schämen brauchten. In ihrer Praxis hatten sie zwar oft heucheln müssen, als hätten sie sich um des Mannes auf der Anklagebank willen versammelt, diesmal fiel es ihnen aber besonders schwer. Es war beinahe grotesk; der angeklagte Einfaltspinsel entsprach keineswegs der Bedeutung ihrer Causa.

„Sind Sie Kain, Sohn des Adam?“

„Ja...“

„Gestehen Sie, daß Sie Ihren Bruder Abel mit einem stumpfen Gegenstand, vermutlich mit einem Dreschflegel, erschlagen haben?“

„Ja!“