Washington, im März

Kurz nach dem Abschluß des alliierten Unternehmens in Laos – Zyniker in Washington spotten über „die erfolgreichste Niederlage aller Zeiten“ – gab das Pentagon das Stichwort aus, bald werde eine neue Aktion gestartet. Vor Ende April noch sollten südvietnamesische Truppen in den westlichen Teil des Anschau-Tales in Südlaos eingeflogen werden, um Versorgungslager des Feindes etwa achtzig Kilometer südlich des gegenwärtigen Schlachtfeldes auszuheben. Doch als der volle Umfang des Debakels in Tschepone erkannt war, wurde der neue Plan abgeblasen.

Vorerst wollen die Amerikaner keine zweite großangelegte Probe auf das Exempel der „Vietnamisierung“ machen. Dazu besteht um so geringere Neigung, als auch ein Handstreich von Kommandotruppen gegen ein feindliches Hauptquartier in Laos zu Beginn dieser Woche scheiterte, da die Hubschrauber durch schweres Flakfeuer zum Abdrehen gezwungen wurden.

Diese kleinen Unternehmen, auch die gelegentlichen amerikanischen Luftangriffe auf Nordvietnam, sind nur ein Nachflackern; sie sollen die vorangegangene Niederlage am Ho-Tschi-Minh-Pfad übertünchen. Von ihr spricht in Washington kein Verantwortlicher gern: Selten war es so schwer wie in diesen Tagen, im Pentagon oder in einem anderen Ministerium eine sachliche, nichts beschönigende Auskunft über das Unternehmen in Laos zu erhalten.

Der Stolz jener Männer im Pentagon und im Weißen Haus, die für das Programm der Vietnamisierung und für die Kriegführung verantwortlich sind, ist sichtlich geknickt. Nachträglich wird versucht, die Schuld auf andere abzuwälzen, etwa durch die gezielte Information, der südvietnamesische Staatspräsident Thieu habe befürchtet, seine Verbände könnten in Südlaos zu lange gebunden bleiben. Daher habe er keine ausreichenden Verstärkungen schicken wollen, vielmehr den vorzeitigen Rückzug befohlen, um seine Wahlchancen für den Herbst nicht zu beeinträchtigen.

Überhaupt schwört jeder hohe amerikanische Offizier jetzt Stein und Bein, das ganze Unternehmen sei auf Initiative der Südvietnamesen zurückzuführen, von ihnen allein ausgeführt und in voller eigener Verantwortung vollzogen worden. Washington wäscht die Hände in Unschuld und tröstet sich mit Fiktionen, etwa mit der Behauptung, die Verluste der Nordvietnamesen seien fünf- oder zehnmal so hoch gewesen wie die der Südvietnamesen: Solche Auskünfte aber lassen die Zweifler nur noch drängender fragen, warum denn dann der fluchtartige Rückzug angetreten werden mußte.

Freilich werden in der Stille auch realistische und nüchterne Bilanzen gezogen, doch sie bleiben der reichlich düpierten Öffentlichkeit noch vorenthalten. Bei diesen Kalkulationen geht man von dreierlei Erfahrungen aus: