Am drittliebsten mag ich Mäuse“, läßt die Katze wissen und greift nach zwei Dosen „Whiskas“. „Langsam verstehen uns die Menschen“, meint eine andere von oben herab und macht sich lang, um an eine Portion „Kitekat“ heranzukommen. „So gut ging mir’s noch nie“, schnalzt der Hund, „jeden Tag ein anderes ‚Chappi‘.“

Deutschlands 3,5 Millionen Katzen, drei Millionen Hunde und 2,8 Millionen Stubenvögel sind auf dem besten Wege, von der Edelfreßwelle überrollt zu werden. „Wenn in Ihrer Bockwurst, die Sie abends essen, so gutes Fleisch drin ist, können Sie sich freuen“, lobte Karl-Heinz Wiese, Marketing-Chef der Verdener Firma Effem GmbH, sein Hundefutter „Pal“.

Das Verdener Futterwerk, eine Tochtergesellschaft des amerikanischen Süßwarenkonzerns Mars (Riegel-Marken: „Milky Way“, „bounty“, „treets“), ist der eigentliche Wegbereiter des jungen deutschen Marktes für industriell hergestellte Tiernahrung.

Wurde Hunde- und Katzenfutter ehedem nur in zoologischen Handlungen und in Drogerien verkauft, so eroberten die amerikanischen Tierversorger mit Hilfe einer massiven Publikumswerbung einen beträchtlichen Marktanteil. Es gelangten ihre Erfolgsmarken „Chappi“, „Pal“, „Frolic“, „Whiskas“, „Trill“ über den Lebensmittelhandel in die Hände der Tierhalter. Führten 1962 erst 30 Prozent aller Lebensmittelläden die gängigen Tierfuttermarken, so sind es heute bereits zwei Drittel.

Neben der Mars-Tochter Effem, die zur Zeit einen Marktanteil von über 50 Prozent verteidigt, bestimmen das Tierfuttergeschäft vor allem das Euskirchener Familienunternehmen Albert Latz („Latz“, „Saffti“) und die Friskis Tiernahrung GmbH, eine hundertprozentige Tochter der zum amerikanischen Carnation-Konzern gehörenden Glücksklee Milchgesellschaft in Hamburg. Im Gegensatz zu Latz und Effem bietet die Glücksklee-Firma nur Trockenfutter an, das im Vergleich zu Dosennahrung in den letzten Jahren erheblich höhere Zuwachsraten verzeichnete. Friskis-Manager K. R. Kietz: „Der Trend wird eindeutig weiter in diese Richtung weisen.“

Dem deutschen Lebensmittelhandel bietet die Chappi-Branche ein einträgliches Zusatzgeschäft. Sein Absatz an Hundefutter stieg allein von 1969 bis 1970 um 47 Prozent, an Katzennahrung setzte er 24 Prozent mehr ab. Absolute Verkaufshöhepunkte registrierten die Futterfirmen vor allem im Sommer. Grund: In dieser Zeit fallen wegen des leichteren Verderbs weniger Küchenabfälle an; überdies decken sich die meisten Hundehalter vor ihrer. Sommereise gern mit dem nötigen Vorrat an Tierproviant ein.

Gemessen an den 1,5 Milliarden Mark, die Bundesbürger nach Ermittlungen des Fachverbandes zoologischer Fachgeschäfte jährlich für Haustiere ausgeben, ist der mit industriell produziertem Tierfutter 1970 erzielte Umsatz von 170 Millionen Mark noch immer gering. Die Marketing-Experten der Branche haben jedoch festgestellt, daß erst 50 Prozent aller Hunde und 27 Prozent aller Katzen mit Dosen- oder Paketfutter ernährt werden. Der Hang zur Bequemlichkeit und Sauberkeit wird den Futterabpackern auch in den kommenden Jahren ansehnliche Pluszahlen bescheren. Insgesamt rechnet die Industrie mit einem Marktpotential von 500 bis 600 Millionen Mark.

Insgeheim spekulieren die Tierfütterer noch auf eine andere Gunst: Im internationalen Vergleich schneidet die Bundesrepublik, was ihren Bestand an Haustieren betrifft, relativ schwach ab. Besitzen in Frankreich und England 27 Prozent aller Haushalte einen Hund, in Dänemark 25, in Belgien 22 und in Schweden 14 Prozent, so sind es bei uns erst neun Prozent. Bei Katzen ist die Bilanz ähnlich. Die Rangfolge: Frankreich 25, Belgien 21, Dänemark und England 15, Schweden 12 und die Bundesrepublik mit nur neun Prozent. Friskis-Experte Kietz: „Wir rechnen da mit einem ganz schönen Nachholbedarf.“ Hans Otto Eglau