Die überraschende Entdeckung, daß wir jahrhundertelang den falschen Teil der Kartoffelpflanze (Solanum tuberosum) gegessen haben, machten amerikanische Ethnologen in den südamerikanischen Hochanden. In alten Schriften, deren Herkunft aus dem Inkareich als gesichert gilt, fanden Professor Kenneth Pariser und seine Assistentin Katy Bromshy vom Harvard Institute of Food Ethnology eine Anleitung zur Zubereitung der Kartoffel. Eindeutig geht daraus hervor, daß nicht die als Wurzel des Nachtschattengewächscs dienende Knolle (auch Herdapfel oder Erdbirne genannt) als Nahrungsfrucht gemeint war, sondern die bei uns als ungenießbar geltenden grüngelben Beeren (die samenhaltigen Kartoffeläpfel) als Volksnahrungsmittel der Inkas angesprochen sind. Wie zum Beispiel frische Oliven sind diese Beeren der Kartoffel freilich nur nach gründlicher Vorbehandlung eßbar. Nach dem in der Schrift erwähnten Rezept müssen die Früchte acht Wochen lang in einem Absud aus Palapalä-Blättern, Mate und verschiedenen Gewürzsalzen ausgelaugt werden. Im Geschmack soll diese „richtig“ zubereitete Kartoffel der Tomate ähnlich sein, erklären die beiden Forscher, die in einem kühnen Selbstversuch die nach dem Inka-Rezept zubereiteten Kartoffelbeeren gekostet haben. R.

Als Nachfolger des am 1. 4. 71 zur Bild-Zeitung überwechselnden Gerhard Löwenthal wurde Karl Theodor Reichsfreiherr von und zu Guttenberg zum Leiter des ZDF-Magazins bestellt. Vorwürfe der SPD-Baracke, daß es sich bei dieser Wachablösung nur um „konservative Augenwischerei“ (Wehner) handle, wies die Pressestelledes ZDF in Mainz entschieden zurück. Die Wahl Guttenbergs sei ausschließlich unter sachlichen Aspekten erfolgt. Nicht den CSU-Politiker, sondern den Rundfunkpionier Guttenberg habe der Verwaltungsrat auszeichnen wollen: Ein Mitarbeiter des Soldatensenders Calais an der Spitze des ZDF-Magazins..., das sei ein Programm! J.

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Sieg mit Vaterland? Die abwechselnd als „elitärer Dünkel“ und „intellektueller Hochmut“ bezeichnete kritische Haltung besonders der deutschen Schlagerbranche gegenüber hat diesmal offensichtlich wirklich Folgen gehabt: Beim „Grand Prix Eurovision de la Chanson 1971“, um den am 3. April in Dublin gesungen wird, wird nicht Katja Ebstein mit dem Lied „Diese Welt“ für die Bundesrepublik auftreten, sondern, nach schwierigen internen Auseinandersetzungen in der Branche selber, in die schließlich Dr. Henno Ludwig von der Kulturabteilung des Auswärtigen Amtes als „Schlichter“ einbezogen worden ist Udo Jürgens. Katja Ebstein hatte die Bundesrepublik schon in Amsterdam beim letzten „Grand Prix“ vertreten, aber wie es heißt, sei weder diese Tatsache noch ihr schlechtes Abschneiden für die Entscheidung von Bedeutung gewesen. Lediglich inhaltliche Gründe hätten Relevanz gehabt und seien schließlich auch von den Managern der beiden Künstler anerkannt worden. Manager Bergfeld von der „unterlegenen“ Ebstein-Firma Liberty sagte: „Ich persönlich finde es ein bißchen komisch, aber was soll’s: Man wollte diesmal in das ewig mediokre Schlagereinerlei voll triefendem Sentiment eine politische Note bringen, eine positive politische Note, und da war es ganz klar, daß wir zugunsten von ‚Lieb Vaterland‘ von Jürgens und seinem Hausdichter Hachfeld zurückstanden.“ Nicht ohne Hintersinn ließ Udos Manager Beierlich wissen: „Das paßt ja auch ganz gut: ‚Vaterland‘ in der Hauptstadt eines Landes, das seinen Bürgern wirklich Vaterland ist – und zeigen, daß wir das unsere wieder gewinnen wollen.“ M.

Ein neuer Andy-Warhol-Film steht dem glücklichen Verleih unmittelbar bevor. Nach „Flesh“ und „Trash“ bringt dieser dritte Film, „Shit“, wiederum ein wirkungsvoller Vierbuchstaben titel (im Englischen gilt sh-sch als ein Buchstabe – d. Red.), zum ersten Male insofern Wirklichkeit, als er die gesellschaftlichen Reaktionen auf „Flesh“ und vor allem auf „Trash“ einbezieht. Nichts war in „Trash“ vom Publikum so sehr beanstandet worden wie die scheinbar funktionslose Rolle des Schäferhund-Bastards „Buggy“ – auf eine Kurzformel gebracht: warum Flasche, wo Hund? „Shit“ wird sich jetzt ganz auf das rektal sodomitische Erleben von Wirklichkeit konzentrieren und Szenen zeigen, die so noch nie eine Leinwand betraten: Joe mit Katze, Katze mit Hund, Hund mit Flasche, Flasche mit Kanarienvogel. Einfall, Dialoge, Buch, Regie, Produktion wieder von Paul Morrissey, alles andere von Andy Warhol. Da die meisten Darsteller für „Shit“ mit Kraftfutter oder Schappi abgefunden werden konnten, soll der Hauptdarsteller – Joe Dallesandro, auch diesmal unentbehrlich – die höchste Wochengage der Warhol Film Factories Inc. bekommen: fünf Dollar pro Drehtag. L.

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Auf einer Auktion bei Sotheby’s, London, ließ, wie Time erfahren haben will, Richard Nixon am vergangenen Samstag durch den bekannten Makler Epstein eine Ausgabe der gesammelten Wehrmachtsberichte ersteigern. Die Ausgabe, die früher Feldmarschall Keitel gehörte, der sich die Wehrmachtsberichte in Schweinsleder binden ließ (Illustration: Hicks, jetzt Die Welt), kostet 400C Dollar. Nixon hofft, wie er Pressevertretern mitteilte, aus der Erwerbung einigen Nutzen zu ziehen: „Damit sich nicht wiederholt, was jetzt in Laos geschah, möchte ich an Hand deutscher Wehrmachtsberichte erforschen lassen, wann ein Sieg ein Sieg und wann er eine Niederlage ist.“ Das deutsche Wort „Frontbegradigung“ erweckte das besondere Interesse des Staatsoberhaupts. Kissinger. soll es mit einem erfahrenen Team ins Amerikanische übersetzen. K.