Von Karl Hoche

In der europäischen Kultur erfreuen sich die Griechen eines gewissen Rufs. Auch wenn nur sehr wenige unter uns Zeit und Lust aufbringen, sich mit dem zu beschäftigen, was Griechen gedacht und geschrieben haben, so ist von ihren sagenhaften Kulturleistungen doch immer wieder die Rede. Die ständige Propaganda unserer noch immer vorwiegend geisteswissenschaftlich ausgerichteten Schulen für die alten Griechen und das Wenige, was aus dem neuen Griechenland zu uns dringt, auch die heutige Militärdiktatur, die Zeugnisse innerer und äußerer Emigration wichtig macht – all das schafft eine Erwartungshaltung, die alles Griechische sozusagen mit erhobener Augenbraue zur Kenntnis nimmt.

Vagelis Tsakiridis, zur Zeit auf dem norddeutschen Land ansässig, und Alexis Pappas sind Griechen. Pappas hatte vor längerer Zeit etwas geschrieben, Tsakiridis „die spärlich und unsystematisch geschriebenen Manuskripte geordnet, verarbeitet und druckreif gemacht“. Es entstand daraus der Unterhaltungsroman „Nachtcafé“, der recht munter die Freuden und Leiden – mehr aber die Freuden – der griechischen Studierenden jeunesse dorée schilderte. Politik spielte darin die Rolle, welche sie allem Anschein nach auch im Leben der Studenten spielte – sie war ein Element unter anderen. Immerhin kam sie vor und sicherte dem Buch eine günstige Aufnahme bei den Rezensenten.

Pappas verschwand dann in Tanger, wo er, wie ich hoffe, inzwischen im siebten Drogenhimmel gelandet ist. Nun ist aber ein neuer Roman von ihm herausgekommen –

Alexis Pappas: „Schaltjahre“, aus dem Griechischen von Vagelis Tsakiridis; Verlag Blanvalet, Berlin; 324 S., 24,– DM.

Hier gab es keine „spärlich geschriebenen Manuskripte“, hier wurde daher auch nichts mehr „geordnet“, Pappas hat wohl nur noch seinen Namen geliefert für ein von Tsakiridis geschriebenes mieses Machwerk.

Das Thema dieses Buches ist das Scheitern einer Gruppenehe, aber was heißt bei einem solchen Buch schon Thema. Da die Sätze in dem Buch mehr über das Buch sagen, als ich übermitteln könnte, sind einige davon im folgenden abgedruckt. Im Buch stehen sie an verschiedenen Stellen, die Reihenfolge ist beibehalten.