Nach der mißglückten Laos-Invasion muß Südvietnam jetzt mit einem Angriff kommunistischer Verbände auf eigenem Territorium rechnen. Am Wochenende bombardierte die amerikanische Luftwaffe gegnerische Truppenkonzentrationen an und in der entmilitarisierten Pufferzone zwischen beiden Landesteilen. Einzelne nordvietnamesische Verbände haben bereits die Grenzen überschritten. Wichtige Stützpunkte, die von den Amerikanern geräumt werden, liegen unter anhaltendem Beschuß. Saigon hat frische Truppen in den Norden gebracht, um den Vormarsch der Nordvietnamesen zu stoppen. Beide Seiten liefern sich heftige Artillerieduelle; die amerikanischen Verluste sind sprungartig angestiegen.

Präsident Nixon – um die eingestandene „Glaubwürdigkeitslücke“ zwischen ihm und der amerikanischen Öffentlichkeit besorgt – hat Mitte vergangener Woche noch einmal nachdrücklich den Erfolg der Invasion unterstrichen und ein rasches Kriegsende versprochen. Beobachter behaupten dagegen, die Moral der südvietnamesischen Truppen sei „schwer erschüttert“. Ihre Verluste seien weitaus höher als offiziell zugegeben. Zudem soll der Nachschub über den Ho-Tschi-Minh-Pfad wieder in vollem Umfange laufen.

Das amerikanische Nachrichtenmagazin Newsweek will erfahren haben, daß die monatliche Abzugsrate der US-Soldaten aus Südvietnam Mitte April auf 16 000 Mann erhöht wird. Im Wahljahr 1972 ständen dann weniger als 40 000 Soldaten in Südvietnam.