Der Untertitel „Roman unserer Existenz“ ist glücklicherweise irreführend. Denn das Erstlingswerk des Medizinprofessors, Fernsehautors und ehemaligen Herausgebers der knapp drei Ausgaben alten Monatszeitschrift akut, Hoimar von Ditfurth, ist gerade nicht eines jener Sachbücher, die nach dem Vorbild von Schenzingers Technikschinken versuchen, wissenschaftliche Information in Roman- oder gar Krimiverpackung zu verkaufen. Vielmehr ist das Buch von

Hoimar v. Ditfurth: „Kinder des Weltalls“; Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg; 290 S., 24,– DM

eine sachliche Unterrichtung darüber, in welcher Weise die Existenz des Lebens, mithin auch unserer Spezies, nicht nur irdisch, sondern auch kosmisch bedingt ist.

Nichtsdestoweniger bietet es überaus fesselnden Lesestoff. Um ihn so fesselnd zu gestalten, brauchte sich Ditfurth keiner Forscheranekdoten oder anderer Mätzchen zu bedienen, mit denen Wissenschaft gern etwas verdaulicher gemacht werden soll. Sein – schon im Fernsehen bewährtes – Rezept ist der wissenschaftlichen Methodik angepaßt: Zuerst wird eine Hypothese entworfen, sodann werden alle verfügbaren Indizien dafür beigebracht, und die nunmehr untermauerte These wird zum Baustein eines umfassenderen Erkenntnisgebäudes. Schmackhaft macht dies alles Ditfurths außergewöhnliches Talent, wissenschaftliche Fakten so darzustellen, daß der Leser sie versteht, dabei aber nicht das Gefühl bekommt, mit groben Vereinfachungen abgespeist worden zu sein.

Das zentrale Thema des Buches ist die These, daß das Raumschiff Erde, mit dem wir durch das All sausen, keineswegs eine belebte Insel im Nichts ist, sondern daß das irdische Leben von einer Reihe weit in die Tiefen des Kosmos reichender, außerirdischer Bedingungen in seiner Entwicklung gefördert wurde und vor Vernichtung bewahrt wird. Diese kosmische Verflechtung unserer Existenz haben erst jüngste Erkenntnisse der Physik, der Biologie, der Geologie und besonders der Weltraumforschung evident gemacht.

Darum ist Ditfurths Indizienbeweis, an den er sich im ganzen Buch strikt hält, ein Streifzug durch die moderne Wissenschaft. Und weil der Autor ein einfallsreicher Mann ist, mit gelegentlicher Neigung zur Meditation, ist es ein besinnlicher, auch ein kritischer und bei aller Sachlichkeit höchst unterhaltsamer Streifzug. Daß „Kinder des Weltalls“ ein Bestseller ist, mag der aufwendigen Werbung des Verlags zuzuschreiben sein; daß dieses Buch seinen Platz auf der Bestsellerliste auch verdient, – steht außer Frage.

Thomas von Randow