Innerhalb von vier Wochen sind acht F 104 G „Starfighter“ der Bundeswehr abgestürzt. Fünf Piloten wurden dabei getötet. Die Absturzserie beschäftigte in der vorigen Woche den Verteidigungsausschuß.

Trotz der Häufung von Unglücken will das Verteidigungsministerium nicht von einer „Krise“ wie in den Jahren 1965/66 sprechen. Damals stürzten 47 Maschinen ab. General Panitzki, Inspekteur der Luftwaffe, wurde von General Steinhoff abgelöst, der sich umfassende Vollmachten geben ließ. Durch Verbesserung der Infrastruktur, der Personallage und vor allem durch ein forciertes Flug-Übungsprogramm gelang es, die Absturzrate 1967 auf elf Maschinen zu drücken. In den nächsten drei Jahren blieb die Verlustzahl annähernd konstant (1968: 15; 1969r 11; 1970: 14).

Im Januar und Februar 1971 gingen zwei Maschinen verloren. Innerhalb eines Monats verunglückten dann acht Flugzeuge. Insgesamt haben bis Ende März 1971 bei 136 Abstürzen 66 Piloten ihr Leben lassen müssen.

Nach Aussage des Verteidigungsministeriums gibt es keine einheitliche Ursache für die jüngste Unglücksserie. In zwei Fällen setzte das Triebwerk aus. Bei zwei weiteren Unglücken haben die Piloten bei der Landung schwerwiegende Fehler begangen. In einem Fall wurde die Maschine von einem Blitz getroffen. Bei einem weiteren tödlichen Absturz ist die F 104 G aus bisher ungeklärter Ursache bei einer Tiefflugübung in den Boden geschossen.

Luftwaffeninspekteur Rall trug vor dem Verteidigungsausschuß eine statistische Auswertung der 136 Abstürze vor:

Knapp sechzig Prozent sind auf menschliches Versagen oder besser: den „Faktor Mensch“ zurückzuführen: Überbeanspruchung vonWartungspersonal und Piloten; Leichtsinn der Flieger und der Techniker.

Bei rund 20 Prozent spielten Umwelteinflüsse – Vögel und Blitzschlag, Ansaugen von Fremdkörpern in die Turbine, Schlechtwetter – eine entscheidende Rolle.