Von Hans Schueler

Ob nun die dreißig Hauptleute der 7. Panzergrenadierdivision in Unna vom Bundesverteidigungsminister ein totales oder ein auf die Dienstzeit beschränktes Sprechverbot erhalten haben – sie fanden Sprecher zur Genüge, die binnen einer Woche nach der Veröffentlichung der Hauptmannsthesen der Bundeswehr ihre jüngste Krise auf geschwätzt haben.

Es könnte freilich sein, daß die im Parlament ebenso wie in der Publizistik vorwiegend unter parteipolitischen Gesichtspunkten geführte Auseinandersetzung den substantiellen Kern dessen verschüttet, worüber die Offiziere mit Recht klagen und worin ihnen zumindest auf lange Sicht geholfen werden kann.

Die inner- und außerparlamentarische Opposition gegen die Bundesregierung sieht jedenfalls in der Denkschrift aus Unna weniger ein Postulat, bessere Ausbildungsbedingungen für die Kampftruppen des Heeres zu schaffen, als vielmehr einen willkommenen Anlaß, die politische Führung der Armee in der Öffentlichkeit und vor den Armeeangehörigen selbst zu diskreditieren.

In der Aussprache des Bundestags über die Sicherheitspolitik machte sich Ende vergangener Woche vor allem der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Friedrich Zimmermann (CSU), zum großen Verunsicherer. Er stellte erstmals nicht nur Denkverbindungen zwischen der als „Schnez-Papier“ bekannt gewordenen Generalsstudie („Gedanken zur Verbesserung der inneren Ordnung des Heeres“) und der Niederschrift der Hauptleute, sondern die Identität der einen mit der anderen in Motiv und Anspruch fest. Weil die Generalsstudie „von der neuen politischen Führung aus politischen Gründen pauschal verdrängt worden“ sei, kämen „dieselben Fragen“ nun aus dem Offizierskorps auf Kompanieebene hoch.

Erinnern wir uns der Generalsfragen von 1969: Etwa, wie könnte der „weithin zur Geschichtslosigkeit verurteilten Truppe“ wieder ein „verpflichtendes Traditionsbewußtsein“ vermittelt werden, wie das „Vaterland als moralische Größe die notwendige Interpretation finden“ und wie könnten widerspenstige Publikationsmedien dazu gebracht werden, der Bevölkerung den Verteidigungsauftrag der Streitkräfte im Sinne einer ihrerseits weithin noch dem Kommißdenken verhafteten Generalsgruppe („Frisch-fröhlicher Geist in der Truppe“) klarzumachen.

Es ist gegen Friedrich Zimmermann und andere Traditionalisten zu hoffen, daß die Hauptleute trotz gewisser in diese Richtung deutender Anzeichen in ihrer Denkschrift solches nicht meinten und daß sie auch die unhaltbaren Vorwürfe gegen die militärische und politische Führung (Verfälschung des Kräfteverhältnisses zwischen Ost und West, Hörigkeit der militärischen Spitze und parteipolitischer Mißbrauch der zivilen Befehlsgewalt) nur im Überschwang des Zornes über all jene „Widrigkeiten und Unzulänglichkeiten“ des Personalmangels und der räumlichen Enge des Übungsgeländes erhoben, die ihnen verständlicherweise den täglichen Dienst sauer werden lassen.