Der feine Schlick auf dem Boden küstennaher Gewässer soll – nach dem Willen des US-Geologen Donald Rhoads – nicht länger ausschließlich Hummern und Austern von Nutzen sein: Rhoads will den weichen Ozeanschmutz in harte Ziegelsteine verwandeln. Zusammen mit seinen Kollegen Robert Gordon und Murray Ruggiero von der Yale-Universität in New Haven (US-Bundesstaat Connecticut) berichtete der Geologe kürzlich über die neuen Erkundungen im Schlamm.

Überall dort, wo während der letzten Eiszeit Gletscher den Boden der flachen Randmeere planierten (etwa in der Nordsee), vermuten die US-Forscher ergiebige unterseeische Lehmgruben. Der Ziegelrohstoff könnte, so Rhoads, preiswert aus einer Tiefe von nur zehn bis zwanzig Metern geborgen werden. Die Hauptkosten entstünden bei der Trocknung des schwarzen, zähen Schlamms: 30 Prozent Wasser müssen entfernt werden. Der trockene Schlick ist spröde und grau – als Baumaterial unbrauchbar. Doch beim Brennen verwandelt sich der Meeresschlamm, wie die Wissenschaftler nach eingehenden Studien herausfanden, in ein extrem hartes, rotes Ziegelgestein.

Gefahren für die reichhaltige Tierwelt der Flachmeere – vor allem für Schalentiere – sehen die Yale-Forscher nicht. Im Gegenteil: Die ausgebeuteten unterseeischen Lehmgruben könnten von Austern- und Hummerfischern als ertragreiche Aquakulturen genützt werden. -rf-