Die Geschichte des Streiks in Deutschland ist um einen neuen Streikgrund reicher: Am 1. April wollen die Ersatzdienstler die Arbeit verweigern, weil der Bundestagsausschuß für Arbeit und Sozialordnung in ihrer Sache ein „Hearing“ hinter verschlossenen Türen abhält.

Wenn schon in Sachen Notstand, Betriebsverfassung und Pornographie Sachverständige in öffentlicher Sitzung angehört wurden, vor den Ohren der Zeitungsreporter, vor den Linsen der Fernsehkameras – warum dann nicht auch, wenn es um die Rechte und Interessen der dienstpflichtigen Jugend geht?

Die Fraktionsobleute im Ausschuß berufen sich auf die allgemeine Übung, die öffentliche Hearings nur kennt, wenn das Informationsbedürfnis breiter Bevölkerungsschichten vorausgesetzt werden kann. Überdies ist den Vertretern der eingeladenen 20 Organisationen, unter ihnen auch einige Ersatzdienstler, zugesichert worden, daß keine Pflicht zur Vertraulichkeit oder Geheimhaltung besteht.

Kriegsdienstverweigerung und Zivildienst, der Fehlbedarf an Krankenpflegern und sozialen Betreuern sind unbestreitbar Fragen, die alle angehen. Vermutlich interessieren sie den einzelnen Bürger sogar mehr als die komplizierte Materie des Betriebsrechtes. Wenn der Ausschuß das Licht der Öffentlichkeit scheut, bleibt nur die Erklärung übrig, daß die Parteien fürchten, einige der Kriegsdienstverweigerer könnten sich zu „Fensterreden“ verleiten lassen.

Sehr glücklich ist diese Entscheidung nicht. Sie mutet an wie ein Relikt des Obrigkeitsstaates, der sich gern hinter dem Argument der „Sachgerechtigkeit“ verschanzt. Sie verstört unnötig junge, aufgeweckte Leute, die für diesen Staat zu gewinnen doch immer das Ziel der Bundestagsparteien gewesen ist. K. H. J.