Spender gesucht! Die Straßenkunstprogramme deutscher Städte sind in Schwierigkeiten. Bonner Bürgerzorn erzwang den Abbau von Erich Hausers „Raumsäule“, die – als letztes Straßenkunst-Überbleibsel der Künstlerbund-Ausstellung von 1970 – den Münsterplatz, Bonns Zentrum, zierte. Sie steht nun im Bonn Center am Regierungsviertel. Nun werden private Spender gesucht, die 90 000 Mark aufbringen. – Der stählerne „Fruchtbarkeitsschrein“ von Volkmar Haase wurde vom Berliner Kudamm in eine abgelegene Gegend (Zehlendorf) transportiert. Der Berliner Galerist Ben Wargin, der sie am Kudamm aufgestellt hatte, will sich mit einer Riesenaktion „Kunst am Kudamm“ revanchieren. Er will 15 internationale Plastiker präsentieren. Kostenpunkt: rund eine halbe Million. Ben Wargin bettelt um Spenden. – Auch Hannovers Straßenkunst ist in Gefahr. Der SPD-Ortsverein wollte den Etat für 1971 streichen, doch die Stadt hat sich bis jetzt behauptet: Plastiken von Kenneth Snelson, Fritz Wortruba und Hans Kuhn sind schon gekauft. – Übrigens: In Bonn protestierten Kunst-Freunde von der CDU gegen den Hauser-Abbau, indem sie ein Gartenzwerg-Denkmal errichteten.

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Alte Kalender sind im allgemeinen nichts wert – alte Kunstkalender aber können teuer werden. Deutschlands schönster Kunstkalender für 1971 ist noch zu haben über die Firma Hans Kirschbaum, Düsseldorf, Bürgerstr. 20. Zwölf Originale auf zwölf verschiedenen Druckträgern wie Kunststoff, Silberfolie, Dünnplexiglas von Uecker, Gaul, Brüning, Geiger, Götz, Hoehme, Richter, Kaufmann, Rissa, Mack, Becher und Kriwet. Format 45×70cm. Auflage: 250 Exemplare, davon 100 signierte. Der Kalender – ein PR-Produkt der Firma – wird praktisch zum Selbstkostenpreis für 250 Mark abgegeben. Signiert für 950 Mark.

Daß Kalender-Preise steigen können, beweist auch die Galerie Müller, Stuttgart. Der Müller-Kalender 1960 mit zwölf signierten Originalgraphiken von Brüning, Pfahler und anderen kostete im Erscheinungsjahr 250 Mark, heute sind nur noch wenig Exemplare für 950 Mark zu haben.

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Genauso kletterten die Preise für die Kölner Kunstmarktkataloge. Die Ausgabe 68, Preis im Erscheinungsjahr 480 Mark, kostet jetzt zwischen 1200 und 1400 Mark.

Der neue Katalog zum Kunstmarkt 71 kann schon jetzt bestellt werden. Er enthält 25 Originalgraphiken. Auflage: 300 Exemplare; der Preis wird sich um die 600-Mark-Grenze bewegen. Zu bestellen beim Kölner Kunstmarkt, Köln 1, Tunisstraße 19.

Der junge amerikanische Kunsthändler Seth Siegelaub und der Jurist Robert Projansky wollen das Urheberrecht der Künstler revolutionieren. Sie haben 500 Musterverträge in Posterformat an Schlüsselfiguren der internationalen Kunstwelt verschickt. Die Verträge sollen dem Künstler in Zukunft 15 Prozent des Profits garantieren, der bei Wiederverkäufen seines Werkes entsteht Außerdem wäre der Künstler an Reproduktionsrechten. Ausstellungseinnahmen und so weiter zu beteiligen. Den Vertrag sollen alle Sammler beim Kauf eines Kunstwerks unterzeichnen. „Wir wollen weder Museen noch Sammler kaputtmachen“, sagten die Kunsthandelsreformer dem Nachrichtenmagazin Newsweek, „wir wollen nur die traditionelle Art, Kunst zu verkaufen, Indern und dem Künstler zu mehr Rechten verhelfen. Kommentar des New Yorker Galeristen André Emmerich: „Das wäre der Tod des Kunstmarkts.“