Flicks Enkel haben die Führung von Deutschlands größtem Industrie-Imperium schon untereinander aufgeteilt

Von Günter Ogger

Anderl Heckmair, Erstbezwinger der Eiger-Nordwand, schwitzte: Der renommierte Bergsteiger war für die Sicherheit von zwei jungen Männern verantwortlich, die unbeschwert in den Steilwänden der Anden-Gipfel herumkletterten. An den Seilen hing die Zukunft der mächtigsten deutschen Industriedynastie.

Gert-Rudolf und Friedrich Christian Flick, die im Sommer drei Fünftausender in Peru bestiegen und dieses Jahr im Himalaya noch höher hinaus wollen, sind gesellschaftlich schon ganz oben; an ihrem 28. Geburtstag werden die – noch unverheirateten – Erben des größten industriellen Vermögens in der Bundesrepublik entscheidungsberechtigt. Gert-Rudolf tritt am 29. Mai in die Geschäftsführung der Friedrich Flick KG ein, sein Bruder muß noch bis zum September 1972 warten. Miteigentümer des Familienkonzerns, der im letzten Jahr 5,4 Milliarden Mark umsetzte und nahezu 100 000 Personen beschäftigte, sind die Enkel des Firmengründers schon seit 1966.

Damals schied ihr Vater Otto-Ernst Flick, der älteste Sohn des 87jährigen Patriarchen, nach jahrelangen Auseinandersetzungen mit dem Senior gegen eine Barabfindung aus dem Konzern aus. Während Otto-Ernst die beträchtliche Summe in Kanada, USA, Frankreich und Italien vorzugsweise in Ländereien investierte, blieb sein Bruder Friedrich-Karl in der Düsseldorfer Konzernzentrale. Doch der alte Herr, der wegen seiner empfindlichen Bronchien am Bodensee lebt, hatte sein Riesenvermögen, das auf über fünf Milliarden Mark geschätzt wird, zu einem guten Teil bereits auf die dritte Flick-Generation übertragen. Gert-Rudolf und Friedrich Christian besitzen zusammen mit ihrer 23jährigen Schwester Dagma etwa 30 Prozent des Flick-Kapitals.

Wie fühlen sich die Erben eines Riesenvermögens, die ihre Privilegien allein dem Zufall ihrer Geburt und nicht eigener Leistung verdanken? Die künftigen Flick-Geschäftsführer scheinen von solchen Problemen wenig beunruhigt. Sie wirken offen und selbstbewußt, scheinen ihre gesellschaftliche Stellung als naturgegeben zu empfinden.

Im Gespräch zeigt sich, daß sie anders erzogen wurden, als man es gemeinhin von Milliardärssprößlingen erwartet. Die Flick-Enkel sind offenbar von dem festen Willen geprägt, ihre Aufgaben im Konzern so gut wie nur irgend möglich zu bewältigen. Ein vergnügtes Playboy-Dasein scheint auf beide keine Faszination auszuüben, um so mehr aber der Reiz, etwas „Großes“ zu vollbringen.