Der Beifall kam von der falschen Seite: Die Welt lobte den sozialdemokratischen Kultursenator Stein und versicherte ihn des künftigen Beistandes der CDU, weil er dem Marxisten Hans Heinz Holz den Zugang zur Freien Universität verweigert hat. Das Präsidialamt der FU jedoch stellte ihm die „schwerste Krise“ in Aussicht, weil er gewagt hat, den vom Fachbereich Philosophie und Sozialwissenschaften an erster Stelle genannten Bewerber abzulehnen. Dabei hat Stein nichts Gesetzwidriges getan, denn das Berliner Universitätsgesetz gestattet ihm die freie Auswahl unter den Kandidaten. Er hatte nur die Wahl zwischen dem Bloch-Schüler Holz und dem Habermas-Schüler Wellmer, und auf Grund der Gutachten habe er – so Stein – „einen Unzweifelhaften einem Zweifelhaften vorgezogen“.

Man muß diese Aussage zum Nennwert nehmen. Wer vermöchte mit Sicherheit zu sagen, ob nicht einige der Argumente im „Fall Holz“ – sowohl bei seinen Förderern als auch bei seinen Feinden – nur vorgeschoben sind. Menschliches ist der neuen Universität so wenig fremd wie der alten. Für Holz freilich ist die Entscheidung Steins eine Enttäuschung mehr nach manchen Niederlagen. Außenseiter wie er haben es doppelt schwer: als eigenwilliger Marxist sitzt er zwischen allen Stühlen, und als Publizist, der die akademische Ochsentour verschmäht hat, ist er einigen akademischen Göttern nicht weniger suspekt.

Aber noch darf Holz auf eine positive Entscheidung des hessischen Kultusministers von Friedeburg hoffen, dem eine Berufungsliste aus Marburg vorliegt, wo Holz ebenfalls auf dem ersten Platz steht. Nicht zu gering darf man dabei die klare Aussage des Kultursenators Stein werten, daß man Holz weder die wissenschaftliche Qualifikation absprechen noch seinen Willen anzweifeln könne, in einer pluralistisch verfaßten Universitätsordnung mitzuarbeiten. Von politischen Bedenken sagte er jedenfalls nichts.

Karl-Heinz Janßen